Marco Salerno, Sie sind Anhänger von Borussia Dortmund und haben in Ihrem Garten eine Rote Laterne am Fahnenmast angebracht. Eine spontane Reaktion auf die Niederlage des BVB in Frankfurt?
Eigentlich war das Vorhaben eine Konsequenz aus dem Unentschieden gegen Paderborn. Ein paar Tage nach dem Spiel saß ich mit Freunden zusammen und fasste den Entschluss: Wenn das Spiel gegen Eintracht Frankfurt jetzt auch noch in die Hose geht und wir tatsächlich auf dem letzten Tabellenplatz landen, kommt die Rote Laterne in meinen Garten. Das habe ich mit der Meisterschale so gemacht, das gleiche mache ich auch mit dem Gegenstück.
Haben Sie ernsthaft damit gerechnet, dass nach dem 13. Spieltag eine Rote Laterne in ihrem Garten hängen würde? Oder gingen Sie doch insgeheim von einem Sieg gegen die Eintracht aus?
Ich bin sicher nicht mehr davon ausgegangen, dass uns die Rote Laterne erspart bleibt. Da hat sich die Stimmung unter uns Fans in den letzten Wochen schon deutlich geändert. Alle Dortmund-Fans in meinem Umfeld hatten vor dem Spiel in Frankfurt ein ungutes Gefühl. Als der Worst Case schließlich eintrat, bin ich in den Baumarkt gefahren und habe eine Laterne gebastelt. Zugegeben: Sie ist nicht besonders schön. Aber auch das passt zur derzeitigen sportlichen Situation.
Woher kommt dieser Galgenhumor?
Ich wohne in Westfalen, im Kreis Soest. Zwar ist die Region in schwarz-gelber Hand, doch gibt es auch einige Blaue. In einer solchen Situation muss man sich als Dortmunder ununterbrochen Häme gefallen lassen. Ein Schalker wäre früher oder später sicher auf die Idee gekommen, mir eine Rote Laterne zu schenken. Daher beschloss ich, den Schadenfrohen mit einer Portion Selbstironie zuvorzukommen.
Rührt die Selbstironie daher, dass die echte Angst vor dem Abstiegskampf noch in weiter Ferne liegt?
Dass Dortmund unten mitmischen wird, halte ich tatsächlich für recht unwahrscheinlich. Immerhin sind erst 13 Spieltage gespielt, alle liegen noch eng beieinander. Trotz der aktuellen Schwierigkeiten haben viele von uns noch nicht aufgehört, nach oben zu schielen. Ich für meinen Teil gehe fest davon aus, dass der BVB den letzten Platz bald wieder abgibt – im Idealfall schon gegen Hoffenheim. Falls es doch so weit kommt und die Laterne in meinem Garten überwintert, werden wir auch das überstehen.
Was passiert mit der Laterne, wenn der BVB den letzten Tabellenplatz verlässt? Kommt sie dann bis zum nächsten Einsatz in den Keller?
Ich habe die Hoffnung, dass das Verlassen des letzten Platzes eine Art Befreiungsschlag wird, und ich die Rote Laterne so schnell nicht mehr brauchen werde. Bevor sie im Keller verstaubt, würde ich sie gerne an einen nächsten Unglücklichen weitergeben. Es wäre doch schön, wenn daraus eine kleine Kettenreaktion entstehen würde! Daher der Aufruf an die Fans des nächsten Schlusslichts: Meldet euch doch unter die-rote-laterne@web.de. Dann schicke ich euch die Laterne gerne per Post und drücke die Daumen, dass sie auch in Zukunft schnell wieder ein neues Zuhause findet.