Cup werde! - 10 Dinge über die Kapverden – 11FREUNDE

1.
Mit dem Einzug ins Vier­tel­fi­nale des Afrika Cups haben sich die Kap­verden ver­mut­lich selbst am meisten über­rascht. Der Insel­staat west­lich der afri­ka­ni­schen Küste, ist mit Abstand das kleinste Land, das am dies­jäh­rigen Afrika Cup teil­nimmt. Es gibt ledig­lich 15 kap­ver­di­sche Inseln, von denen ledig­lich neun Inseln bewohnt sind. Auf den Kap­verden leben der­zeit 434.669 Men­schen, selbst Duis­burg hat 50.000 Ein­wohner mehr.

2.
Wer in einem Para­dies lebt, hat keinen Grund Krieg zu führen. Dachten sich anschei­nend auch die Kap­verden. Ihre ​Luft­flotte“ liest sich in etwa wie die Aus­stat­tung des Luft­fahrt­mu­seums in Wer­ni­ge­rode. Ganze fünf Flug­zeuge stehen dem kap­ver­di­schen Militär zur Ver­fü­gung, alle­samt Trans­port­flug­zeuge.

3.
Trainer Lucio Antunes ist der Schöpfer des Erfolgs. Gelernt hat der 46-Jäh­rige beim Besten seiner Zunft: Zur Vor­be­rei­tung auf das größte Tur­nier in der Geschichte des Landes, absol­vierte er im Dezember ein Prak­tikum bei José Mour­inho. Inner­halb von einer Woche wurde Antunes zum ​Spe­cial One“ der Kap­verden. Er selbst blieb zunächst bescheiden und zollte Mour­inho in der Sport­zei­tung ​A Bola“ Respekt: ​Er hilft gerne Leuten, die weniger Ahnung haben. Wie mir zum Bei­spiel.“ Sein Selbst­be­wusst­sein hat nicht gelitten. Im Gegen­teil. ​Wir werden dieses Tur­nier gewinnen. Wir werden stärker und stärker.“ Mour­inho wäre stolz auf ihn. Und wahr­schein­lich auch ein biss­chen auf sich selbst.

4.
Es gibt ein­fa­chere Dinge im Leben, als das Liga­system der Kap­ver­di­schen Inseln zu ver­stehen. Jede bewohnte Insel spielt zunächst ihre eigene Meis­ter­schaft aus. Danach wird – zunächst in zwei Gruppen, dann im K.o.-System – der Sieger des Cam­peo­nato Nacional de Cabo Verde ermit­telt. Dass die Qua­lität bei der jewei­ligen Insel-Meis­ter­schaft vari­iert, sollte auf­grund der unter­schied­li­chen Insel­größe schnell klar werden. Die größte Insel Sant­iago behei­matet 240.000 Men­schen, wäh­rend die kleinste Insel Boa Vista ledig­lich 4000 Men­schen beher­bergt. 1963 gewann der Club Boavista erst- und letzt­malig den Cam­peo­nato Nacional de Cabo Verde. Sehr gefreut haben wir uns über den Erfolg der 11FREUNDE-Außen­stelle auf Kap­ver­di­schen Inseln. 2001 gelang den Kol­legen ​Onze Unidos“ der größte Erfolg unserer Betriebs­ge­schichte.

5.
Das Vier­tel­fi­nale des Afrika Cups zu errei­chen, ist für den Ivorer Didier Drogba wahr­schein­lich ähn­lich spek­ta­kulär wie für uns die Mor­gen­toi­lette. Beim kap­ver­di­schen Team liegen die Dinge etwas anders: Nach dem Last-Minute Sieg gegen Angola bra­chen alle Dämme. Die Pres­se­kon­fe­renz nach dem Spiel mutierte zur Love Parade der Neun­ziger. To be con­tinued:

6.
Die Qua­li­fi­ka­tion für den Afrika-Cup und der Einzug ins Vier­tel­fi­nale sind die bis­lang größten Erfolge der Natio­nal­mann­schaft der Kap­verden. Wer aber denkt, der erst seit 1982 exis­tie­rende Ver­band habe noch gar keine Erfolge feiern können, sieht sich getäuscht. 2000 konnten die ​Blauen Haie“ den ​Amilcar Cabral Cup“ gewinnen, ein pas­sen­der­weise nach einem kap­ver­di­schen Unab­hän­gig­keits­kämpfer benanntes Fuß­ball­tur­nier für west­afri­ka­ni­sche Mann­schaften. Doch damit nicht genug: 2009 errang die Natio­nal­mann­schaft die Gold­me­daille bei den pres­ti­ge­träch­tigen ​Lus­o­phony Games“, eine Art Mini-Olym­piade für por­tu­gie­sisch­spra­chige Länder. Ein auf­rich­tiges feli­citacao von unserer Seite.

7.
Weitaus grö­ßere Erfolge wären mög­lich, wenn sich nicht so derart viele Fuß­baller für ein anderes Land spielen würden. So ist zum Bei­spiel Por­tu­gals Nani auf den Kap­verden geboren, hat sich aber dafür ent­schieden, mit Por­tugal nichts zu gewinnen, anstatt mit den Kap­verden nichts zu gewinnen. Schade drum. Wei­tere Stars, die auf den Kap­verden ihre Wur­zeln haben und die gemeinsam die Säulen einer ganz pas­sa­blen Truppe bilden könnten: Patrick Vieira, Henrik Larsson, Patrice Evra, Mickael Tavares, Ricardo Faty, Gelson Fer­nandes und David Mendes da Silva.

8.
Rekord­na­tio­nal­spieler und Rekord­tor­schütze in einem ist der mitt­ler­weile 37 Jahre alte Stürmer mit dem wun­der­vollen Namen Cláudio Zélito Fon­seca Fer­nandes Aguiar, kurz: Lito, der seine Kar­riere gerade gemüt­lich in der zweiten por­tu­gie­si­schen Liga aus­klingen lässt. In 55 Spielen für Kap­verde schoss Lito stolze 30 Tore. Nicht schlecht. Beim Afrika Cup darf der alte, sachich­jetztmal, Hau­degen trotzdem nicht mehr mittun. Wer den­noch nicht darauf ver­zichten will, den großen Lito in Aktion zu sehen und zudem ein Faible für ramschige You­tube-Videos hat, bei deren Qua­lität einem schummrig wird, dem sei fol­gende Com­pi­la­tion emp­fohlen.

9.
Zum Helden der Qua­li­fi­ka­tion wurde ein Spieler namens, wie könnte es anders sein, Heldon. Nach dem 2:0‑Sieg im Hin­spiel gegen Kamerun verlor man zwar das Rück­spiel, bei der 1:2‑Niederlage wurde Hel­dons Füh­rungstor aber zur Ein­tritts­karte zum Afrika-Cup. ​Aus Tränen und Schweiß gemacht, vom Regen gesegnet“, pathe­tete die kap­ver­di­sche Presse, wäh­rend die spär­liche deut­sche Bericht­erstat­tung an schlechten Heldon-Helden-Wort­witzen nicht geizte. Viele andere Kicker der Natio­nal­mann­schaft wurden so um ihre ver­dienten Lacher gebracht. Die Tor­hüter Fock und Vozinho oder auch Ver­tei­diger Sto­pira wären sicher­lich ebenso den ein oder anderen müden Kalauer wert gewesen.

10.
Die Kap­ver­di­schen Inseln sind also im großen Fuß­ball ange­kommen. Das war nicht immer so. Bei einem Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel zur WM 2006 gegen Swa­si­land, selber nicht eben ein Sah­ne­bonbon des Welt­fuß­balls, erreichte das Team nur ein 1:1. Ein Ergebnis, das die Fans von Swa­si­land derart erzürnte, dass sie den Bus ver­folgten und die Spieler ver­höhnten. Was wie­derum diese so wütend machte, dass sie den Bus kur­zer­hand ver­ließen und die Fans mit Knüp­peln ver­folgten. Kap­verden gewann unter dubiosen Umständen das Rück­spiel, konnte sich den­noch nicht für die Welt­meis­ter­schaft qua­li­fi­zieren. Viel Lärm um nichts also.

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