Im März berichtete der Guardian über 6.500 gestorbene Gastarbeiter in Katar, auch in Verbindung mit dem Stadionbau für die Fußballweltmeisterschaft im Winter 2022. Der Report sorgte für großes Aufsehen, die Diskussionen um das umstrittene Turnier nahmen danach nochmal Fahrt auf: Norwegische Vereine und Fanorganisationen forderten einen Boykott, Nationalmannschaften aus Norwegen, Deutschland, Dänemark und den Niederlanden setzten Zeichen für Menschenrechte.
Nun hat sich auch der schwedische Fußballverband in die Debatte eingeschaltet. In einem offenen Brief schreiben Generalsekretär Hakan Sjöstrand und Verbandspräsident Karl-Erik Nilsson:„Der schwedische Fußballverband hat die von Katar durchgeführten Arbeitsreformen intensiv verfolgt und heißt diese willkommen. Trotz der gesetzlichen Verbesserungen leben viele Gastarbeiter in Katar immer noch unter schwierigen Verhältnissen.“ Es sei entscheidend, dass Katar weitere Reformen umsetze und die Gastarbeiter vor Ausbeutung geschützt würden.
Auf einen möglichen Boykott gehen die Skandinavier in ihrem Schreiben allerdings nicht ein. Ihre ersten beiden Qualifikationsspiele hat die Nationalmannschaft gewonnen und liegt in der Gruppe B damit derzeit auf Platz zwei hinter Spanien. Doch der schwedische Verband hat offenbar mehr als nur den sportlichen Erfolg im Kopf. In dem Brief liefert er der FIFA zwei konkrete Verbesserungsvorschläge: Erstens soll der Weltfußballverband „eine sorgfältige Überprüfung der Lage der Menschenrechte und der Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen in Katar durchführen. Sie müssen diese schnellstmöglich verbessern und die entstandenen Schäden wiedergutmachen.“ Zweitens müsse der Verband seinen Einfluss „sowohl intern als auch extern nutzen, um Katar zu weiteren Arbeitsmarktreformen zu bringen.“
Der Weltverband müsse alle Arbeiter im Land vor Ausbeutung schützen, auch diejenigen im Servicesektor. Die Gastarbeiter, die in den Hotels, Restaurants und in der Sicherheitsbranche arbeiten, dürften nicht vergessen werden. Abschließend fordern die Schweden: „Die FIFA muss außerdem alle notwendigen Schritte einleiten, um sicherzustellen, dass künftig kein Turnier der FIFA in Ländern stattfindet, in denen es Zweifel an der Einhaltung der Menschenrechte gibt.“ Bislang haben weder die FIFA noch Katar zu dem Brief Stellung bezogen.