Die unsichtbare Wand - BVB-Banner geklaut – 11FREUNDE

Schon seit geraumer Zeit bro­delt es im Pott: Der Stolz der Kurve, ein­fach geklaut. In einer Nacht- und Nebel­ak­tion. Es ist nahe lie­gend, wen die BVB-Fans dieser Tat bezich­tigen: Die Schalker seien Schuld, heißt es.

Zwei Theo­rien machen seither die Runde: Zum einen sei es eine Rache-Aktion für das Foto eines als Schalker getarnten BVB-Fans, der sich vor kurzem mit Mirko Slomka hat ablichten lassen. Der Fan zeigt stolz seinen blau-weißen Schal, auf dem ​Scheiß Schalke“ geschrieben steht. Slomka und der gewiefte BVB-Fan lächeln in die Kamera und halten gemeinsam den Schal in die Höhe. Ein schel­mi­scher Laus­bu­ben­streich. Und zum anderen könnte der Banner-Klau die Revanche für eine Aktion aus dem letzten Derby gewesen sein. Bei diesem Spiel wurden einige Schalke-Fahnen geklaut und dar­aufhin ver­un­staltet im Dort­munder-Fan­block gesichtet.

Die Ermitt­lungen laufen auf Hoch­touren“

Wenige Tage nachdem das Banner ent­wendet wurde, haben sich Fans der Knappen in Internet-Foren damit gebrüstet, die Fahne zu besitzen. Das erzürnte die BVB-Gemeinde, die mit einem Ulti­matum reagierte: Bis zum 22. November solle das Banner wieder auf­tau­chen, andern­falls werde Straf­an­zeige bei der Dort­munder Polizei gestellt. Dies ist mitt­ler­weile geschehen.

Die Ankla­ge­punkte lauten auf Dieb­stahl und Haus­frie­dens­bruch. ​Die Ermitt­lungen laufen auf Hoch­touren“, so Oliver Peiler, Pres­se­spre­cher der Dort­munder Polizei. ​Der­zeit sind Ver­neh­mungen unser wich­tigstes Instru­ment. Irgend­je­mand muss schließ­lich etwas gesehen haben. Doch bis­lang gibt es nichts weiter, als wilde Spe­ku­la­tionen.“ Nur so viel ist sicher: Das Banner wurde im Zeit­raum zwi­schen dem 9. und 14. November ent­wendet und ward nicht wieder gesehen. Zwi­schen beiden Fan­la­gern geht es seitdem hoch her, so hoch wie schon lange nicht mehr.

Oder waren’s die Bochumer?

Daher stehen die Fan-Abtei­lungen beider Klubs in Kon­takt, um für Ruhe und Beson­nen­heit zu sorgen. Denn nun geht es darum, Aggres­sionen zu ver­meiden und die Wogen zu glätten. Nur sinn­voll, denn das nächste Derby steht kurz bevor – am 10. Dezember in Gel­sen­kir­chen. Indes hat der Schalker Fan-Club-Ver­band dem BVB 300,- Euro ange­boten, um die Gelbe Wand wieder sichtbar zu machen. Ein sub­tiles Geständnis?

Ohnehin wirft dieser Vor­fall unzäh­lige Fragen auf: Wer steckt hinter dem Laus­bu­ben­streich? Wird der Signal-Iduna-Park nachts nicht über­wacht? Waren es am Ende tat­säch­lich BVB-Anhänger, um Stim­mung gegen Schalke zu machen? Oder lachen sich die Fans eines anderen Ruhr­pott-Ver­eins der­zeit ins Fäust­chen? Wann taucht das Banner wieder auf, etwa beim nächsten Derby?

Nichts Genaues weiß man nicht. Wei­tere Hin­ter­gründe zum dubiosen Banner-Dieb­stahl lie­fert das fol­gende Inter­view mit den Fan-Vor­sit­zenden beider Ver­eine, Olaf Suplicki (BVB) und Rolf Rojek (S04).

Wer macht so etwas?

Olaf Suplicki:
Irgend­je­mand, der sich damit brüsten wollte, sich jedoch der Trag­weite nicht bewusst war. Denn mitt­ler­weile wurde Anzeige erstattet, und es han­delt sich nun­mehr um eine Straftat. Nun wird es ernst für den- oder die­je­nigen.

Rolf Rojek:
Es kann letzt­lich jeder gewesen sein. Unsere wie auch die Fans aus der ver­bo­tenen Stadt. Viel­leicht war es jemand, der ein beson­ders üppiges Sou­venir mit­nehmen wollte. Oder jemand aus einem anderen Verein. Man kennt das ja: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Aber da es keine Beweise gibt, sollte man mit Beschul­di­gungen vor­sichtig sein.

Wie ist die der­zei­tige Stim­mung zwi­schen beiden Lagern?

Olaf Suplicki: Eine gesunde Riva­lität gehört zum Derby wie das Salz zur Suppe. Es wäre schreck­lich, wenn sich beide Seiten lieb hätten. Ande­rer­seits muss man auch die Grenzen kennen. Und das hier geht einen Schritt zu weit. Im Moment hat sich die Lage aller­dings etwas beru­higt. Ins­be­son­dere weil man uns von Schalker-Seite ver­si­chert, dass sie nichts mit der Sache zu tun haben. Außerdem führen beide Seiten Gespräche mit dem Sicher­heits­per­sonal der Schalke-Arena, damit gewähr­leistet ist, dass das Banner nicht mitten im Derby auf­taucht.

Rolf Rojek:
Die Riva­lität war schon immer da und ist auch nicht weg­zu­denken. Aber in den letzten Jahren ist es ein wenig abge­flacht. Das Derby hatte ja fast schon Freund­schafts­spiel-Cha­rakter (lacht). Dieses Jahr wird es jedoch richtig krib­beln. Nicht zuletzt wegen dem Banner. Jetzt ist auch bei den jün­geren Fans die Riva­lität wieder erwacht und das Derby-Fieber bricht wieder aus.

Jetzt ist also der Zeit­punkt gekommen, da man über die ganze Ange­le­gen­heit schmun­zelt und sie als Laus­bu­ben­streich ansieht.

Olaf Suplicki:
Ein Streich ist es sicher­lich nicht. Es han­delt sich um Dieb­stahl und Haus­frie­dens­bruch, also eine Straftat. Der BVB-Fan, der sich vor Wochen mit Slomka und dem ​Scheiß Schalke“-Schal hat foto­gra­fieren lassen, das ist ein aus­ge­wie­sener Laus­bube. Die Schalker haben sich über diese Nummer ja auch amü­siert. Aber nun bleibt mir das Lachen im Halse ste­cken, denn die Banner-Aktion geht ein­deutig zu weit.

Rolf Rojek:
Wer auch immer das gemacht hat, ihm oder ihnen waren die Folgen nicht bewusst. Anfangs wirkte das wie das Ent­wenden eines Mai­baums, um den anderen ein biss­chen zu frot­zeln. Aber jetzt ist der Fall aus­geu­fert.

Gibt es Hin­weise auf den Ver­bleib des Ban­ners, oder gleicht die ganze Ange­le­gen­heit der Suche nach der Nadel im Heu­haufen?

Olaf Suplicki:
Zu aller­erst wurde ver­mutet, dass das Banner in Gel­sen­kir­chen ist. Das hat sich jedoch nicht bestä­tigt. Die KGA, die Akti­en­ge­sell­schaft Borussia Dort­mund, hat dar­aufhin zusammen mit der Borussia Dort­mund-Fan­ab­tei­lung e.V. Anzeige erstattet. Und jetzt liegt der Fall in den Händen der Dort­munder Polizei. Die ermit­telt, so weit ich weiß, sehr eifrig und geht zahl­rei­chen Hin­weisen nach.

Rolf Rojek: Es ist in der Tat die Suche nach der Nadel im Heu­haufen. Dass unsere Freunde aus der ver­bo­tenen Stadt uns ver­däch­tigen, ist nach­voll­ziehbar. Aber ich habe unsere Fan­clubs befragt. Und ich glaube meinen Leuten, wenn sie mir ver­si­chern, dass sie nichts mit der Ange­le­gen­heit am Hut haben. Wobei man natür­lich für keinen die Hand ins Feuer legen kann, die Fan­szene ist sehr unüber­sicht­lich. Aber sie haben es mir glaub­haft ver­si­chert.

Was bedeutet diese Aktion für das Derby am 10. Dezember in Gel­sen­kir­chen?

Olaf Suplicki:
Wir sind erst­malig vor einem Derby mit der Schalker Fan­seite zusam­men­ge­kommen, um gegen­seitig dafür zu sorgen, dass auf den Rängen Ruhe herrscht. Das Ganze hat zur Folge, dass beide Seiten auf eine Fan-Cho­reo­grafie ver­zichten, um die Gemüter nicht unnötig zu erhitzen. Nun gehe ich davon aus, dass dies gegen­seitig respek­tiert wird.

Rolf Rojek: Was mir gar nicht gefällt, ist die Ankün­di­gung einer erhöhten Polizei-Prä­senz. Die Ord­nungs­hüter werden sicher­lich hoch­gradig sen­sibel sein. Einer der schief guckt, wird mög­li­cher­weise gleich Gefahr laufen, durch­sucht zu werden. Es ist sehr schade, dass jetzt so eine gela­dene Span­nung über dem Sta­dion liegt. Ich hoffe nicht, dass die beiden Fan-Grup­pie­rungen kom­plett getrennt werden, wenn wir gemeinsam zum Spiel pil­gern.

Und am Ende kommen sich beide Seiten viel­leicht gerade jetzt ein wenig näher.

Olaf Suplicki:
Nein, ich glaube nicht, dass Schalke 04 und Borussia Dort­mund sich irgend­wann einmal nah kommen (lacht).

Rolf Rojek:
Wir haben uns zusam­men­ge­setzt und über die bri­sante Lage geredet. Und letzt­lich konnten wir uns darauf einigen, kein wei­teres Öl ins Feuer zu gießen. Muss ja nicht sein. Aber näher kommen wir ein­ander sicher nicht.

Gab es schon einmal ähn­liche Vor­fälle?

Olaf Suplicki: Nein, mir ist zumin­dest keiner bekannt. Eher Klei­nig­keiten. Es scheint gerade bei den jungen Fans in zu sein, Devo­to­na­lien zu stehlen, sie zu ver­un­stalten und sich damit zu brüsten.

Rolf Rojek: Es war zumin­dest schon lange nicht mehr so bri­sant, wie jetzt. Wir möchten auf die Anhänger ein­wirken, um die Lage zu ent­schärfen. Daher haben wir uns zusam­men­ge­setzt. 

Der Schalker Fan-Club-Ver­band bietet dem BVB 300 Euro für den Kauf eines neuen Ban­ners. Das ist doch ein sub­tiles Geständnis.

Olaf Suplicki:
Das war ledig­lich eine lapi­dare Aus­sage von Rolf. Nicht mehr und nicht weniger. Das Schlimme für ihn ist jetzt, dass er auf Foto­mon­tagen mit BVB-Schal vor dem Signal-Iduna-Park steht – seine eigenen Leute machen jetzt einen Dort­munder aus ihm. Aber grund­sätz­lich würden wir auf gar keinen Fall Geld von Schalke annehmen. So tief kann kein Borusse sinken (lacht).

Rolf Rojek:
Der Olaf hat das schon richtig ver­standen. Das war viel­mehr ein Frot­zeln als ein seriöses Angebot. Meine Aus­sage zielte darauf ab, ein wenig Salz in die Wunden zu streuen (lacht). Ist doch klar, dass die Gelben von den Blauen kein Geld annehmen. Das würden wir doch auch nicht machen. Ich würde mich in Grund und Boden schämen, wenn wir vom BVB 300 Euro für eine Fahne kriegen (lacht).

Was muss beim Derby geschehen, damit sich die Wogen zwi­schen beiden Fan­la­gern wieder glätten?

Olaf Suplicki:
Wahr­schein­lich ein Unent­schieden, das bietet am wenigsten Angriffs­fläche. Wenn wir gewinnen, können wir den Ver­lust des Ban­ners ein wenig besser ver­schmerzen. Und wenn die Schalker gewinnen, dann schieben wir die Schuld auf den Trainer (lacht).

Rolf Rojek: Das Banner darf unter keinen Umständen wäh­rend des Spiels auf­tau­chen. Dar­über hinaus stünde ein 2:0 Heim­sieg der ganzen Ange­le­gen­heit sicher­lich gut zu Gesicht. Ich hoffe auch, dass die Spieler nicht dazu bei­tragen, dass es hitzig wird. Also bitte keine Pro­vo­ka­tionen oder Roten Karten. Aber vor allem hoffe ich auf beson­nene Fans.

Was würdet Ihr mit einem solch großen Banner Eures Erz­ri­valen eigent­lich anstellen, wenn Ihr es hättet?

Olaf Suplicki: Völlig aus­ge­schlossen, dass ich mal in den Besitz eines S04-Ban­ners käme – das Ding würde ich gar nicht anfassen. So hirn­ver­brannt kann eigent­lich nie­mand sein. Aber wenn so ein Teil von Schalke bei mir liegen würde, dann gäbe das ein prima Oster­feuer (lacht).

Rolf Rojek:
Ach was, ver­brennen wäre zu ein­fach. Ich würde viele kleine Pfeile aus dem Banner schneiden, um den Dort­mun­dern einen Weg­weiser daraus zu bas­teln. Der führt sie dann vom West­fa­len­sta­dion zu unserer Arena. Die sollen schließ­lich wissen, wo sie die Punkte abzu­lie­fern haben.

Hand auf´s Herz: Wo ist das Ding?


Olaf Suplicki:
Viel­leicht haben es ja die Bochumer und lachen sich halbtot, dass sich Dort­mund und Schalke des­wegen bekriegen.

Rolf Rojek:
Das habe ich bei unserem letzten Veltins-Früh­schoppen vor dem Sonn­tags­spiel auch gesagt. Da war Moppel, der Kol­lege aus Bochum, eben­falls anwe­send. Ich sagte zu ihm: ​Moppel, rück die Fahne raus!“ Der hat zwar gelacht, war aber auch ein wenig ver­är­gert dar­über.

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