„Diesmal packen wir es!“ - Wolfgang Rolff im Interview – 11FREUNDE

Wolf­gang Rolff, nach 42 Minuten im EM-Halb­fi­nale 1988 gegen Hol­land ver­letzte sich Libero Mat­thias Herget und musste aus­ge­wech­selt werden. Statt­dessen gaben nun Sie den letzten Mann. Was haben Sie da gedacht?

Naja, wir hatten ja ohnehin einige Pro­bleme, was die Libero-Posi­tion anging. Olaf Thon war aus­ge­fallen, alles, was wir uns vor­ge­nommen hatten, griff plötz­lich nicht mehr so richtig. Als Herget aus­fiel, hat man mich darauf gestellt, und ich habe es gespielt.

Herget hatte bereits in den Spielen zuvor keine gute Figur abge­geben, und nun sollten Sie es plötz­lich besser machen. Konnte man gegen die Hol­länder über­haupt mit einem Libero klas­si­scher Prä­gung agieren?

Nicht wirk­lich. Wir haben ohnehin sehr fle­xibel gespielt. Ein Groß­teil der 88er Mann­schaft hat ja zwei Jahre später auch das umge­setzt, was wir uns bei der Euro­pa­meis­ter­schaft erträumt hatten. Gegen eine starke hol­län­di­sche Mann­schaft mit schnellen Flü­gel­spie­lern kann man ja eigent­lich gar nicht mit einem klas­si­schen Libero spielen.

Wie haben Sie das ent­schei­dende zweite Tor durch van Basten im Halb­fi­nale erlebt?

Ich weiß noch, das ein geg­ne­ri­scher Spieler durchs Mit­tel­feld lief, ich aus meinem Abwehr­zen­trum her­auskam, ihn stellen wollte – und in dem Augen­blick kommt der Pass in die Tiefe. Van Basten löst sich von Kohler und kann den Steil­pass dann auch direkt ver­werten.

Zuvor hatte Ronald Koeman per Straf­stoß den Aus­gleich erzielt. War es ein berech­tigter Elf­meter?

(lacht) Tja, wenn gepfiffen worden ist, ist gepfiffen. Jetzt im Nach­hinein an der Ent­schei­dung her­um­zu­mä­keln wäre im Grunde genauso sinnlos, wie die Dis­kus­sion um das Wem­bleytor 1966.

Was haben Sie sich eigent­lich gedacht, als Koeman nach dem Spiel das Trikot von Olaf Thon zur Intim­pflege miss­brauchte?

Zuerst dachte ich: Scheiße! (lacht) Das war natür­lich damals eine unsport­liche Aktion von Koeman, aber wenn man ihm das heute nochmal zeigen würde, wäre es ihm wahr­schein­lich selbst pein­lich.

Große Tur­niere ver­langen nach großen Spie­lern. Was ist eigent­lich ein Tur­nier­spieler?

Ein Tur­nier­spieler ist jemand, der den Fix­punkt in einer Mann­schaft dar­stellt, der kon­stant im Laufe eines Tur­niers seine Leis­tung bringt und sich in dem Tur­nier auch noch stei­gern kann, um seine gesamten Fähig­keiten voll aus­zu­schöpfen. In der aktu­ellen Natio­nal­mann­schaft sind zum Bei­spiel Torsten Frings oder Michael Bal­lack solche Tur­nier­spieler. Die haben einen super Basis, um auf diesem Level zu spielen, und können ihre Leis­tung ent­spre­chend den Anfor­de­rungen stei­gern, um damit dann auch Spiele zu ent­scheiden.

Sie selber galten als außer­or­dent­lich kon­stanter Profi. Waren Sie also auch ein typi­scher Tur­nier­spieler?

Bei allen drei Tur­nieren, an denen ich teil­ge­nommen habe (EM 84, WM 86, EM 88, Anm. d. Red.) habe ich auch meine Spiele gemacht und diese, wie ich finde, recht ordent­lich bestritten.

Welche Spieler sind für ein inter­na­tio­nales Tur­nier wich­tiger: die begabten Indi­vi­dua­listen mit den genialen Momenten, wie 1988 ein Wolfram Wuttke, oder die kon­stant zuver­läs­sigen Mann­schafts­spieler?

In Bezug auf die Euro 2008 würde ich sagen, dass der Kader ja so zusammen gestellt ist, dass man mit diesen 23 Spie­lern Euro­pa­meister werden kann. Das ist es, was ein Trainer vor so einem Tur­nier macht: Er stellt Spieler zusammen, die zuein­ander passen. Im Vor­der­grund steht sicher­lich die Mann­schaft, aber man hat auch die Mög­lich­keit, wie bei der WM 2006, auch mal einen Odonkor zu bringen, der seine indi­vi­du­elle Fähig­keit aus­spielen kann. Vor allem dann, wenn das Mann­schafts­spiel sta­gniert. Bas­tian Schwein­steiger ist auch so ein Typ, der die Eins-gegen-Eins-Situa­tion suchen kann, Oliver Neu­ville und Tro­chowski eben­falls.

Das heißt ganz simpel: Die Mischung macht´s?

Richtig! Wichtig ist es, diese Mischung in der Mann­schaft zu haben. Die Hol­länder bei­spiels­weise haben noch mehr sol­cher Spieler zur Ver­fü­gung, man denke nur an Robben oder van Persie, die ihre Fähig­keiten im Dribb­ling aus­spielen können. So gesehen, sind die Hol­länder am schwie­rigsten aus­zu­rechnen, weil sie ein­fach sehr viele Varia­ti­ons­mög­lich­keiten haben.

Für einen Laien sieht das ganz ein­fach aus: Man nimmt kon­stante Mann­schafts­spieler und kom­bi­niert sie mit indi­vi­duell beson­ders starken Akteuren, die bei Bedarf wie eine gezielte Waffe ein­ge­setzt werden können. Wie denkt man als Trainer?

Joa­chim Löw wird schon seine erste Elf im Kopf haben, aller­dings – und das führt zu der Frage nach den Tur­nier­spie­lern zurück – ent­wi­ckelt sich in so einem Wett­be­werb auch vieles. Wie das Bei­spiel Rainer Bonhof bei der WM 74 zeigt. Der war vorher kein Stamm­spieler, hat aller­dings im Laufe des Tur­nieres bewiesen, wie wichtig er für den Erfolg ist.

Wer hat bei der EM 1988 diesen Durch­bruch schaffen können?

Meiner Mei­nung nach war das vor allem Uli Borowka, der ein gutes Tur­nier gespielt hat und dabei in den Vor­der­grund getreten ist.

1988 war für Sie ohnehin ein beson­deres Jahr: Mit Bayer Lever­kusen haben Sie den Uefa-Cup gewinnen können. Was über­wiegt: die Freude über den Ver­eins­tri­umph oder der Ärger über das Aus­scheiden mit der Natio­nal­mann­schaft?

Erstmal muss ich sagen, dass ich sehr glück­lich dar­über war, bei der Euro­pa­meis­ter­schaft im eigenen Land über­haupt dabei gewesen zu sein. Es ist eine tolle Atmo­sphäre, im eigenen Land zu spielen, das war damals genauso wie 2006. Die Sta­dien waren voll, die Stim­mung klasse. Das Aus­scheiden rea­li­siert man eigent­lich erst wesent­lich später, man freut sich ein­fach, mit der Natio­nal­mann­schaft bei einem Tur­nier gespielt zu haben. Naja, und den Uefa-Cup gewinnt man auch nicht alle Tage.

Es hört sich so an, als ob ihnen ein Titel mit der Natio­nal­mann­schaft nicht wirk­lich fehlt.

Doch, natür­lich war und bin ich auch traurig dar­über, dass es dazu nicht gereicht hat. 1989 bin ich dann nach Straß­burg gewech­selt, was später der Grund dafür war, warum ich 1990 nicht bei der WM dabei war. In den drei Tur­nieren, die ich mit Deutsch­land gespielt habe, hat es nicht zum Titel gereicht. Das ist schon schade.

Warum waren sie in Ita­lien nicht mit dabei?

Als ich den Ver­trag mit Straß­burg unter­schrieben habe, standen die auf Platz sechs. Danach hat die Mann­schaft kein Spiel mehr gewonnen und ich musste im Jahr darauf in der zweiten Liga spielen. Früher war es noch nicht so gang und gäbe, dass man Zweit­li­ga­spieler nomi­niert, wie das heute der Fall ist.

Sie galten ja als der typi­sche Ket­ten­hund, der die geg­ne­ri­schen Spiel­ma­cher aus­schaltet. Lauf­stark, zwei­kampf­stark, robust. Michel Pla­tini, ihr Gegen­spieler im Lan­des­meister-Finale 1983, wird sich sicher­lich noch daran erin­nern. Wie sah ihre Vor­be­rei­tung auf den Gegner aus?

Jeder Spieler hat ja seine Funk­tion inner­halb der Mann­schaft. Wenn wir gegen Mann­schaften gespielt haben, die indi­vi­du­elle Klas­se­spieler wie Michel, Lau­drup, Pla­tini oder wie diese so genannten Spiel­ma­cher­typen alle hießen, in ihren Reihen hatten, hat man schon geschaut, wer gegen wen spielen soll. Da hieß es dann: Okay, du hast schon 1986 gegen den gespielt, das ist deiner. Die Funk­tion würde heute wahr­schein­lich ein Torsten Frings über­nehmen, wenn man denn unbe­dingt einen ein­zelnen Spieler aus der Partie nehmen müsste.

Ist es als Defen­siv­spieler eine Freude, gegen die besten Spieler der Welt anzu­treten, oder manchmal eine Qual, weil die eigenen Fähig­keiten im Spiel­aufbau nicht zur Ent­fal­tung kommen?

Es ist natür­lich schön, gegen solche Spieler zu spielen, aber dar­über hinaus macht man ja auch was für die eigene Mann­schaft und für das Spiel. Es hängt sicher­lich auch davon ab, wie man mit­ein­ander har­mo­niert, den Gegner über­nimmt. Das hätte man auch im Finale 1986 gegen Argen­ti­nien machen können. Wenn Lothar Mat­thäus und ich zusammen gegen Mara­dona gespielt hätten, hätte Lothar sicher mehr Frei­heiten gehabt, sich nach vorne ein­zu­schalten, und ich hätte ihm dem Rücken frei­halten können. So aber hat Thomas Bert­hold nach seiner Rot­sperre wieder gespielt, und ich saß draußen. Aber gut, das war halt die Ent­schei­dung von Franz Becken­bauer, die Lösung so zu finden. Das hätte man natür­lich auch anders machen können (lacht).

Gibt es ihren Spie­lertyp im modernen Fuß­ball über­haupt noch?

Doch, den gibt es noch. Essien von Chelsea ist so ein Spieler, Car­rick von Man­chester United auch. Natür­lich wird dieser Part nicht mehr ganz so extrem gespielt wie noch vor 20 Jahren. Beim HSV haben wir das damals so gespielt, wenn ein geg­ne­ri­scher Spieler so domi­nant war, dass man ihn aus dem Ver­kehr ziehen musste. Natür­lich ohne das eigene Offen­siv­spiel zu ver­nach­läs­sigen, da muss man fle­xibel agieren. Viele Mann­schaften spielen heute mit zwei Sech­sern vor der Abwehr, die sich in ihren Auf­gaben ent­spre­chend abspre­chen können. Bei Werder Bremen spielen wir mit der Raute, da müssen dann Spieler wie Frings oder Bau­mann diese Spieler über­nehmen. Wenn ringsum alles funk­tio­niert und man sich auf seine Mit­spieler ver­lassen kann, läuft das Spiel.

Das heißt, so sehr, wie es immer behauptet wird, hat sich das Fuß­ball­spiel gar nicht geän­dert?

Nein – es wird ja immer von den ver­schie­denen Tak­tiken gespro­chen: 4−3−3 oder nur mit drei Abwehr­spie­lern, Vie­rer­kette plus vier im Mit­tel­feld. Ich denke, jede Mann­schaft hat eine gewisse Fle­xi­bi­lität, und die hat auch die deut­sche Natio­nal­mann­schaft, die sicher­lich mit 4−2−2−2 spielen wird. Und mit Stoß­stür­mern wie Gomez oder Kuranyi kann man auch mit drei offen­siven Mit­tel­feld­spie­lern und einem Stürmer spielen. Da ist die deut­sche Mann­schaft gut auf­ge­stellt, und Jogi Löw kann seine Taktik so vari­ieren, wie er es gerade braucht.

Sie haben in einem frü­heren Inter­view mal behauptet, jede Mann­schaft brauche einen echten ​Sau­hund“. Wer war das beim Tur­nier 1988?

Naja, es gab einige erfah­rene Spieler im Kader. Ich zum Bei­spiel hab auch mal drauf­ge­hauen (lacht), das ist ja klar, aber ob man das jetzt Sau­hund nennen will, weiß ich nicht. Wir hatten schon aggres­sive Spieler in der Mann­schaft. Ich war aggressiv, der Lothar Mat­thäus war aggressiv, Uli Borowka war aggressiv. Wir hatten 1988 einige, die auch schon mal drauf­hauen konnten.

Vor allem Joa­chim Löw plä­diert ja immer wieder dafür, dass die Abwehr­spieler mit wenig Kör­per­ein­satz die Zwei­kämpfe gewinnen. Aber und zu mal den Schlappen drüber halten, ist doch mit Sicher­heit nicht die schlech­teste Vari­ante in man­chen Spiel­si­tua­tionen.

Das braucht man, es ist ja kein kör­per­loses Spiel. Fuß­ball ist ein Zwei­kampf­spiel und man kann nicht immer jeden ablaufen. Es ist zwar schön, wenn man im Laufen den Zwei­kampf gewinnt, doch nur damit kommt man auch in der heu­tigen Zeit nicht aus. Da muss man schon mal in den Zwei­kampf gehen, um sich Respekt zu ver­schaffen.

Was ist denn schöner: Eine gut getimte Grät­sche an der Außen­linie oder dem Gegner den Ball sauber ablaufen?

Wenn man so stark ist, dass man den Zwei­kampf ohne Tack­ling zu 100% schafft, ist das ok, aber meis­tens ist das ja nicht der Fall. Man muss auch mal richtig in den Zwei­kampf gehen und ich glaube jeder Spieler ab einer bestimmten Qua­lität geht so intensiv, wie es erlaubt ist, in den Zwei­kampf.

Mit Mer­te­sa­cker, Frings, Borowski, Fritz, Klasnic, Harnik, Almeida und Rosen­berg sind gleich acht Spieler aus der aktu­ellen Werder-Mann­schaft bei der EM dabei. Wurden sie im Vor­feld mal zur Seite genommen und gefragt: Mensch, Wolf­gang, wie war es denn damals?

Ja, man hat mal dar­über gespro­chen. Aber die Spieler sind inzwi­schen so erfahren. Sehen sie sich einen Podolski oder Schwein­steiger an. Die haben in ihrem Alter schon 50 Län­der­spiele absol­viert. Heute gibt es viel mehr Spiele. Ich habe in sechs Jahren knapp 40 Län­der­spiele gemacht. Selbst die jungen Spieler sind heut­zu­tage schon so gestanden, für viele ist es bereits das zweite oder dritte große Tur­nier. Da brauche ich nicht mehr groß um Rat gefragt zu werden. Wenn mal ein altes Spiel im Fern­sehen über­tragen wird und ich auch auf­tauche, kommt viel­leicht mal ein Flachs, ein Spruch. Das war´s.

Sie waren zu ihrer aktiven Zeit in fast jeder Mann­schaft auch Kapitän. Wie sehr haben Sie dieses Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein mit in den Trai­nerjob gerettet?

Man muss ja vor­an­gehen und dabei eine gewisse Parole aus­geben und vor­leben. Das ist als Trainer genau das gleiche wie als Spieler.

Wie genau drückt sich das aus?

Als Trainer wie auch als Spieler ist es ent­schei­dend, eine gewisse Ein­stel­lung zu seinem Beruf zu haben und vor allem pro­fes­sio­nell damit umzu­gehen. Als Spieler habe ich immer ver­sucht, meinen Körper so gut es ging zu pflegen, und eine gewisse Grund­ord­nung zu reprä­sen­tieren. Das ver­sucht man auch als Trainer vor­zu­leben. Das ist wichtig in einer Mann­schaft, dass man dis­zi­pli­niert und mit Respekt arbeitet. Mit einem gefes­tigten Mann­schafts­ver­bund kann man dann auch an schwä­cheren Tagen Berge ver­setzen.

Vor einigen Jahren haben sie für die Spie­ler­ge­werk­schaft VDV eine Mann­schaft von arbeits­losen Profis trai­niert. Sie sind also darin geübt, geknickte Fuß­baller psy­cho­lo­gisch wieder auf­zu­bauen.

Naja, zumin­dest darin, Fuß­bal­lern, die gewisse Pro­bleme in ihrem Job haben, zu zeigen, dass sie noch gebraucht werden und gute Spieler sind, und ihnen dabei zu helfen, einen neuen Verein zu finden.

Timo Hil­de­brand ist zwar nicht arbeitslos geworden, doch Auf­bau­hilfe hat er nach seiner Aus­boo­tung durch Joa­chim Löw sicher­lich nötig. Was würden Sie ihm sagen?

Ich kenne die Interna nicht, aber wenn einer immer dabei ist in den letzten Jahren, sich in einer schwie­rigen Saison in Valencia durch­ge­setzt hat und den Pokal gewonnen hat, muss er auch mal Dampf ablassen. Ich habe zusammen mit ihm in Stutt­gart gear­beitet und glaube daher sagen zu können, dass er sich jetzt voll ins Trai­ning hängen wird, um noch einmal allen zu beweisen, dass er ein Top­tor­hüter ist.

Bei der Recherche zu diesem Gespräch ist auf­ge­fallen, dass Sie sich vor allem im Fan­ar­tikel-Handel bei ebay recht großer Beliebt­heit erfreuen. Da gibt es diverse Auto­gramm­karten, ein Kari­katur von 1983, sogar ein 500-teil­iges Puzzle von ihrem Kon­terfei. Und den­noch sagt der Spieler Wolf­gang Rolff nur noch Fuß­ball-Ken­nern etwas. Woran kann das liegen?

Erst einmal trete ich nicht so in die Bou­le­vard­presse, wie es viel­leicht manch andere tun. Ich war zwar nicht zurück­hal­tend, aber in den Vor­der­grund habe ich mich nie gedrängt. Ich habe immer zuerst die Mann­schaft gesehen, ob als Trainer oder als Spieler. Als Kapitän wurde ich schon öfter mal was gefragt, aber ich war nie einer, der zur Presse geprescht ist. Ich habe ver­sucht, durch Leis­tungen zu über­zeugen. Ob man jetzt im Nach­hinein sagen könnte, ich hätte viel­leicht mehr mit der Presse machen müssen, um popu­lärer zu werden, sei mal dahin gestellt.

In einem Inter­view haben Sie mal gesagt, dass ein Lothar Mat­thäus eben anders mit seiner Fresse jon­gliert habe. Jetzt ist Mat­thäus zwar in jedem Bou­le­vard­ma­gazin, wirkt als Trainer hin­gegen oft wie eine Witz­figur, wäh­rend Sie als geach­teter Co-Trainer bei einem dau­er­haften Cham­pions-League-Teil­nehmer arbeiten. Alles richtig gemacht, oder?

Ob ich alles richtig gemacht habe, weiß ich nicht. Außerdem denke ich schon, dass Lothar Ansehen und Aner­ken­nung auch in Deutsch­land hat. Natür­lich tätigt er mal die eine oder andere schnelle Aus­sage, das spru­delt aus ihm heraus, und wenn man ihn kennt, dann weiß man, dass er oft die Wahr­heit erzählt. Ich finde, dass er nicht so negativ bewertet wird, wie Sie es gerade gesagt haben. Als Spieler hat er ein bewegtes Leben gehabt, und das ist auch jetzt noch so als Trainer. Er hat bereits eine Menge Erfah­rung gesam­melt und sich Her­aus­for­de­rungen in Jugo­sla­wien oder Öster­reich gestellt. Lothar hat in Deutsch­land einen hohen Stel­len­wert. Ich bin davon über­zeugt, dass er über kurz oder lang eine Mann­schaft in Deutsch­land trai­nieren wird.

Gibt es etwas, dass Sie im Nach­hinein anders machen würden?

Viel­leicht wäre ich nicht so spät ins Aus­land gewech­selt, ich bin ja erst mit 30 nach Frank­reich gegangen. Viel­leicht hätte ich das schon mit 26 machen sollen, nach der Ham­burger Zeit. Dann wäre ich aller­dings nicht Uefa-Cup-Sieger mit Lever­kusen geworden, es gibt immer ein Für und Wider.

Sie als ewiger Kapitän können uns das doch ver­raten: Wenn Sie am 29. Juni die deut­sche Elf ins End­spiel führen würden, was würden Sie Ihren Mit­spie­lern vor dem Anpfiff sagen?

Ich würde sagen: Ihr habt was Tolles geleistet, wir stehen im Finale. Jetzt habt Ihr die Mög­lich­keit, Geschichte zu schreiben, und wir sind nur 90 Minuten davon ent­fernt.

Wer wird denn nun Euro­pa­meister, sagen Sie es uns!

(ganz ent­schlossen)
Deutsch­land! Diesmal packen wir es, weil wir eine Tur­nier­mann­schaft sind und die Spieler haben, die die Mann­schaft zum Titel führen können.

Unser Autor Alex Raack betreibt den Todes­gruppen-Blog 3eckeneinelfer“.

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