Hello again – 11FREUNDE

Das Auf­stiegs­rennen in der Serie B ist an Span­nung kaum zu über­bieten. Auf den Rängen eins bis sieben trennt jede Mann­schaften jeweils nur ein Punkt von ihrem Ver­folger. Auf dem dritten Platz steht mit Bre­scia Calcio aktuell ein Klub, der in den letzten Jahren zwi­schen Abstiegs­kampf in der ersten und Auf­stiegs­kampf in der zweiten Liga pen­delte. Der Ex-Ham­burger Valon Beh­rami hält für die Lom­barden seit diesem Januar die Kno­chen hin. Genauso wie seit Sommer 2021 der mitt­ler­weile 40-jäh­rige Argen­ti­nier Rodrigo Palacio, der unter Fuß­ball­fans für sein wackelndes Zöpf­chen auf seinem mit ansonsten wenig Haaren bedeckten Haupt Kult­status genießt.

Auch die Trai­ner­po­si­tion in Bre­scia ist pro­mi­nent besetzt. Denn im Juni 2021 ver­pflich­tete Bre­scia Calcio eine Legende des ita­lie­ni­schen Fuß­balls: Filippo Inz­aghi. Der als Spieler mit Ita­lien 2006 in Deutsch­land Welt­meister wurde und den AC Mai­land 2007 mit einem Dop­pel­pack im Finale zum Cham­pions-League-Sieg schoss.

14 Jahre später, inzwi­schen ist dem Trikot ein Anzug gewi­chen, sollte er Bre­scia zurück in die Serie A hieven. Ein durchaus nach­voll­zieh­barer Schachzug von Klub­boss Mas­simo Cel­lino, denn der ehe­ma­lige Welt­klas­se­stürmer ist ein wahrer Auf­stiegs­experte. Mit dem FC Venedig holte er die ita­lie­ni­sche Dritt­li­ga­meis­ter­schaft 2017, mit Benevento Calcio den Titel in der Serie B 2020.

Eine Frage der Wett­be­werbs­fä­hig­keit

Nun war es eben jener Mas­simo Cel­lino, der am ver­gan­genen Sonntag urplötz­lich die Reiß­leine zog und Filippo Inz­aghi vor die Tür setzte. Der Grund für die Ent­las­sung: Laut Cel­lino habe die Mann­schaft in den letzten Wochen ihre Wett­be­werbs­fä­hig­keit ver­loren. Des­halb habe Bre­scia auch zu wenig Spiele gewonnen.

Cel­linos Vor­gehen dürfte Filippo Inz­aghi hart getroffen haben. Die Wett­be­werbs­fä­hig­keit einer Mann­schaft infrage zu stellen, die nur einen Punkt hinter einem direkten Auf­stiegs­rang steht, folgt schließ­lich einer dubiosen Argu­men­ta­tion. Zumal Bre­scia Calcio seit fünf Liga­spielen unge­schlagen ist. Das 0:0 beim Tabel­len­sieb­zehnten Cosenza Calcio brachte das Fass bei Cel­lino aber wohl zum Über­laufen. Die Kon­se­quenz: Inz­aghi weg, ein alter Bekannter da. ​Ich habe Diego Lopez und seinen Stab getroffen“, sagte Bre­scias tech­ni­scher Direktor Fran­cesco Mar­roccu am Dienstag. Es wäre das dritte Enga­ge­ment des Uru­gu­ayers bei Bre­scia gewesen. Doch soweit sollte es nicht kommen, denn laut Mar­rocu habe López auf die Auf­gabe ver­zichtet – was unter anderem daran liegen dürfte, dass nun doch jemand anderes den Trai­ner­posten bei den Lom­barden inne­hatte.

Ganz Bre­scia ist mit dir“

Und dieser jemand ist Filippo Inz­aghi. Er hätte näm­lich gar nicht ent­lassen werden dürfen. Der Grund: Inz­aghis Ver­trag beinhaltet eine bizarre Klausel. Im Arbeits­pa­pier ist fest­ge­halten, dass Bre­scia Calcio den 48-Jäh­rigen nicht feuern darf, solange der Klub in der Liga auf einem der ersten acht Plätze steht – doch das tut er nach­weis­lich. Das Ergebnis: Mar­rocu ruderte zurück und sagte laut Gaz­zetta dello Sport des­halb noch am Dienstag über Inz­aghi: ​Ich mag ihn und erwarte, dass er mir sagt: Morgen stehe ich auf dem Platz.“

Einen Tag später folgte die per­sön­liche Aus­sprache zwi­schen Füh­rungs­riege und Coach. Die ver­lief offen­kundig erfolg­reich. Denn Mar­rocu gab zu Pro­to­koll, Inz­aghi sei bereit, seine Auf­gaben voller Über­zeu­gung wieder auf­zu­nehmen.

Und das tat er unver­züg­lich. Nach dem Gespräch ging es für Inz­aghi direkt zurück auf den Trai­nings­platz. Dort lei­tete er die rest­liche Nach­mit­tags­ein­heit, die von Bre­scias Ath­le­tik­trai­nern begonnen worden war. Die Fans freuten sich über die Rück­kehr ihres Trai­ners. ​Los, Pippo“, riefen einige von ihnen dem Coach zu, als dieser aufs Spiel­feld trat. Und auch in den Sozialen Medien nahmen die Tifosi den Ver­bleib Inz­aghis positiv auf. So schrieb ein User unter dem Insta­gram-Post des Ver­eins, der die wei­tere Zusam­men­ar­beit mit Inz­aghi ankün­digte: ​Wir sind mit dir, Pippo. Ganz Bre­scia ist mit dir.“

Nun geht es für die Lom­barden unter Inz­aghi am Sonntag in der Serie B weiter. Gegen den Tabell­sech­zehnten US Ales­sandria wollen sie wei­tere wich­tige Punkte für das Auf­stiegs­rennen sam­meln. Und Inz­aghi? Der dürfte noch fester im Sattel sitzen, sollte sein Team gegen Ales­sandria erfolg­reich sein – und das womög­lich unab­hängig von seiner Ver­trags­klausel.

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