Dies ist die Langfassung unseres Kurzpass-Interviews mit den Grotenburg Supporters aus 11FREUNDE #238. Das Heft gibt es am Kiosk und hier bei uns im Shop. Zur Homepage der Grotenburg Supporters geht es hier.
Marius Savic, Martin Kühr, Sebastian Grauten, ihr seid Fans vom KFC Uerdingen. Wieso unterstützt ihr die Stadt Krefeld dabei, das marode Grotenburg-Stadion wieder fit zu machen?
Marius Savic: Martin und ich haben uns im KFC-Forum kennengelernt. Wir sind beide Bauleiter. Zwischen der Stadt, der Stadiongesellschaft und Michail Ponomarew verliefen die Diskussionen über die Sanierung sehr schleppend.Also haben wir einen Brief an den Oberbürgermeister verfasst, und im März hatten wir dann schon 400 bis 450 Leute zusammen, die ehrenamtlich helfen wollten. Riesen Respekt an Martin, der 20 Mal am Tag die Stadtverwaltung und sämtliche Büros abtelefoniert hat. Bei der Stadt dachte man wohl anfangs, da seien ein paar hundert angetrunkene Fans, die ein bißchen am Stadion herumbasteln wollen. Dieser Eindruck hat sich schnell gewandelt, denn wir sind ausschließlich Fachleute: Bauleiter, Facharbeiter vom Bau, Ingenieure und Techniker.
Was hat euch angetrieben?
MartinKühr: Unsere Ziel war, dass der Verein schnellstmöglich wieder zu Hause spielen kann. Natürlich gibt es auch den positiven Nebeneffekt für die Stadt Krefeld, dass mittlerweile eine sechsstellige Summe eingespart werden konnte.
Sebastian Grauten: Es gibt 450 Ehrenamtler, die etwas Gutes tun und bis zu einer Million Euro für den Steuerzahler einsparen. Damit kann man sogar Fußballhasser überzeugen. Spätestens wenn einem die üblichen Argumente ausgehen, sagen wir das – und dann wird man überall gerne gesehen. Mit der Zeit haben wir auch gemerkt, dass wir eine positive Stimmung bei Fans und Sponsoren erzeugen können. Sehr vieles hat sich hier in Krefeld ins Positive gewandelt. Der KFC hatte zuletzt nicht den besten Ruf, das ändert sich gerade wieder. Viele, die früher dabei waren, kommen wieder. Mittlerweile denke ich immer häufiger, dass das eines der besten Dinge ist, die wir erreichen, obwohl es zu Beginn nicht im Vordergrund stand. Heute Morgen hat mich jemand angesprochen, ob er mal 500 Euro überweisen könnte. Er will kein Sponsor werden, er will auch nirgendwo genannt werden, aber er möchte einfach etwas dalassen, weil er uns cool findet.Wir sparen nicht nur Zeit und Geld ein, sondern helfen auch dabei, das Image des Vereins wiederherzustellen.
„Die Flutlichtmasten sind das Identifikationsmerkmal der Grotenburg“
Martin Kühr
Wie wichtig war es euch, den ursprünglichen Charakter des Stadions zu erhalten?
Grauten: Sehr wichtig, denn es gibt in Krefeld eine ganz große Liebe für die Grotenburg. Das ist noch ein Stadion wie früher und keine von diesen seelenlosen Arenen.. Man merkt das immer wieder, wenn man sich bei Groundhoppern umhört. Die finden Uerdingen noch richtig cool und fahren hier sehr gerne hin. Wir lieben unser Stadion, das ist etwas ganz besonderes.
Savic: Das kommt von allen Supportern und allen, die auf der Baustelle sind, auch so rüber. Da hätte sich keiner mit einem neuen Stadion angefreundet. Mich persönlich freut es auch, wenn dieser alte 70er‑, 80er-Jahre-Charme des Stadions jetzt mit neuen Komponenten und mit neuer Technik ausrüstet wird. Es gibt eine alte Struktur, aber man hat trotzdem die neuen Sitze, die neuen Kioske, die neues WC-Anlagen. Das ist ein cooler Mix.
Kühr: Mir fallen die Flutlichtmasten ein. Die sind das Identifikationsmerkmal der Grotenburg und des KFC. Deshalb sollen sie auch wieder im originalen Rostbraun gestrichen werden.
Gab es durch das Hochwasser Beschädigungen am Stadion?
Grauten: An der Grotenburg selber nicht. Wir haben da vielleicht ein paar hundert Liter Wasser drin gehabt, die aber bei den riesigen Räumlichkeiten keine Rolle gespielt haben. Das hatten wir schnell weg. Es gibt jetzt aber ein zweites Projekt: Direkt neben dem Stadion steht ein altes gelbes Häuslein, das wir als Grotenburg-Supporters wahrscheinlich kernsanieren werden. In zwei Monaten soll hier dann die Geschäftsstelle einziehen. Dort war ordentlich Wasser im Keller. Zum Glück gab es einen Pumpensumpf, der das meiste Wasser weggehalten hat. Da wir im Flachland sind, haben wir nicht so eine Katastrophe wie die anderen gehabt. Wir hatten keinen Schlamm, sondern nur Wasser.