Was hat die FIFA bloß mit ihrem Pokal? Klar, für jeden, der ihn mal gewonnen, ist er eine schöne Auszeichnung, die mit einer persönlichen Aufwertung einher geht. Wie schon Rudi Völler wusste: „Weltmeister bleibst Du für immer!“
Aber muss es sein, dass uns Zusehern der expressive Goldprügel bei diesem Turnier nicht erst zum Endspiel, sondern vor jeder schnöden Vorrundenpartie mit aller Brachialgewalt aufs Auge gedrückt wird? Nie zuvor in der Geschichte sah man so große, voluminöse Cup-Imitate wie diesmal in Katar.
Schon vorm Eröffnungsspiel gehörte es zur Show, die Trophäe wie bei einem spätrömischen Triumphzug an den Anstoßkreis zu schieben, um ihm dort vor der ausverkauften Arena zu huldigen. Auch vor der Partie der Briten gegen den Iran stand eine bungalowhohe Kunststoffreplik des FIFA-Phallus am Mittelkreis, die dort umrankt von hechelnden Feuerschwaden und exstatisch zuckender Pyro das Entrollen der beiden Nationalflaggen bewachte, das schließlich im sprühenden Funkenregen mündete.
Ist es meine schmutzige Fantasie, die in dieser Inszenierung klar orgiastische Zitate zu erkennen? Natürlich werden Sie sagen, und wahrscheinlich haben Sie Recht.
Was aber sagt es uns über die Motive der FIFA-Granden, sollten Sie sich täuschen? Ergötzen die sich an ihrem Markenartikel wie an einem Heiligen Gral? Gibt ihnen der Riesendödel im Feuerwerk das Gefühl von Stärke? Von Sicherheit? Können die Herren dort, bis sich der Rauch über dem Stadiondach verzogen hat, für wenige Augenblicke ihre eigenen Unzulänglichkeiten vergessen? Oder ist es schlicht ein bislang eher unbekannter Fetisch, eine Art Pokalporn? Freue mich über sachdienliche Hinweise.