„Just a header“ - Nemanja Vidic, die harte Sau – 11FREUNDE

Nach einem Spiel gegen die Urawa Red Dia­monds hat Nemanja Vidic eine blu­tige Beule im Gesicht. »Nur ein Kopf­ball«, sagt er und lacht. Das Lachen ver­geht ihm nicht so schnell, selbst als er den Platz blut­über­strömt ver­lassen muss, hat er ein leichtes Grinsen auf den Lippen.

Nasen­bein­bruch, Riss­wunden, aus­ge­schla­gene Zähne, Schlüs­sel­bein­bruch: Er ist kein Kind von Trau­rig­keit, und um sein Aus­sehen sorgt sich Nemanja Vidic, seit 2006 glück­lich ver­hei­ratet, schon lange nicht mehr. Eng­lands Fuß­ball­fans ver­göt­tern Vidic, der von seinem Auf­treten und seiner Spiel­wiese her wie für Insel gemacht zu sein scheint. 1,88m groß, 82 kg schwer, »hard and fair on the pitch«, wie es sein kon­ge­nialer Partner Rio Fer­di­nand beschreibt, kopf­ball­stark, kom­pro­misslos und fast immer zuerst am Ball. Keine Sekunde lässt er den Gegen­spie­lern für die Ball­an­nahme, wofür er häufig Kopf und Kragen ris­kiert. Wie gefähr­lich seine Spiel­weise ist, zeigt ein Zwei­kampf mit Didier Drogba.

Für Alex Fer­guson ist er ein Zweiter Steve Bruce, der Anfang der 90er Jahre zusammen mit Garry Pal­lister ein gran­dioses Innen­ver­tei­diger-Duo bil­dete und mit Man­chester United ins­ge­samt acht Titel erringen konnte. Vidic steht schon jetzt, nach etwas mehr als drei Jahren, bei fünf.

Wie aus dem Bau­kasten

2005 ent­deckte Alex Fer­guson den ser­bi­schen Natio­nal­spieler in Diensten von Spartak Moskau. Von seinen Qua­li­täten war der Schotte sofort über­zeug, zehn Mil­lionen Euro über­wies er für Vidic nach Russ­land. Eine hohe Summe, die lange als Bürde auf dem unbe­stritten großen Talent lag. Alles war neu, alles war gigan­tisch groß und schwer zu fassen für Vidic, der im Winter 2005/2006 nach Man­chester kam. Die Mann­schaft war ein­ge­spielt, die eng­li­sche Sprache voller Zun­gen­bre­cher – und zu allem Über­fluss ging sein Ein­stand mit einer 3:4 Pleite bei Blackburn völlig daneben. Doch Fer­guson ließ den Natio­nal­spieler nicht fallen, schenkte ihm sein Ver­trauen, von Spiel zu Spiel stei­gerte sich der »Ter­mi­nator«, und schon in der fol­genden Saison war er aus Man­ches­ters Innen­ver­tei­di­gung nicht mehr weg­zu­denken.

Nicht nur in der Luft, auch am Boden scheint er schwer bezwingbar. Von den geg­ne­ri­schen Stürmen wird er für seine Tack­lings gefürchtet, die Fans lieben ein. Im Februar wurden seine Leis­tungen mit der Aus­zeich­nung »Spieler des Monats« belohnt. Wel­cher Trainer sehnt sich nicht nach ihm, einem Spieler, wie aus dem Bau­kasten mit allen nütz­li­chen Eigen­schaften für einen Innen­ver­tei­diger bestückt.

Auf­ge­wachsen ist Vidic bei Roter Stern Bel­grad, seiner großen Liebe. Zusammen mit seinem besten Freund Vlada hatte er einen großen Traum: Gemeinsam für die erste Mann­schaft auf­zu­laufen. 2001 schien dieser Traum Wirk­lich­keit zu werden. Vidic kehrte nach einem Jahr von Subo­tica zum Roten Stern zurück, und Kumpel Vlada, gerade 20 geworden, unter­zeich­nete, quasi als Geburts­tags­ge­schenk, einen Fünf­jah­res­ver­trag.

Nach einem starken Debüt wurde Vlada aus­ge­wählt, seinen Verein beim Abschieds­spiel von Dragan Sto­j­kovic-Piksi in Japan zu ver­treten. Einen Abend vor dem Spiel Abschluss­trai­ning kippte er plötz­lich um und lag regungslos am Boden. Sein Herz hatte auf­ge­hört zu schlagen, jede Hilfe kam zu spät. Der ser­bi­sche Fuß­ball verlor eines seiner größten Talente, Nemanja Vidic verlor seinen besten Freund. » Wenn ich spiele, denke ich an meinen Freund und ich will alles tun, um die Erin­ne­rungen an ihn zu wahren.«

Keine Frage, wem Nemanja Vidic einen Sieg gegen Arsenal widmen würde.

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