Kein Mensch, ein Tier – 11FREUNDE

Es ist eines dieser Spiele, die ein Auf­steiger gewinnen muss, um den Abstieg zu ver­meiden. Die Mann­schaft von US Lecce war nach Cre­mona zum Tabel­len­letzten der Serie A gereist, der in dieser Saison noch kein ein­ziges Spiel für sich ent­schieden hatte. Hier Punkte zu ver­lieren, würde dop­pelt schmerzen. Doch Lecce tut sich lange schwer, bis in der 58. Minute ein Eck­ball kurz geklärt und die anschlie­ßende Flanke per­fekt in den Fünf­me­ter­raum gespielt wird. Dort steht Federico Baschi­rotto, 1,87 Meter groß und fast genauso breit. Er muss gar nicht hoch springen, bei­nahe lässt er sich nur abschießen. Der Ball ist im Tor – 1:0. Doch das ist erst der Anfang. Der Tor­schütze läuft über den halben Platz, hält sich die Hand­flä­chen ans rechte Ohr, als könne er seine Kri­tiker ein­fach nicht hören, dann streckt er die Arme aus, spannt den Bizeps, geht leicht in die Knie. Es sieht aus, als stünde eine von Michel­an­gelos weißen Sta­tuen mitten auf dem Platz in Cre­mona.

Der Jubel, so heißt es später, sei ein großes – die Wort­wahl sei zu ent­schul­digen – ​Fuck you“ an jene Kri­tiker, die US Lecce vor Sai­son­be­ginn keine Chancen auf den Klas­sen­er­halt ein­ge­räumt hatten. Ein rie­sen­großes F – damit kennt sich Federico Baschi­rotto aus. Auf­ge­wachsen ist er mit seinen drei Brü­dern auf einem Bau­ernhof in der nord­ita­lie­ni­schen Region Isola della Scala: Fabio, Filippo und Fran­cesco. Alle begannen in der Jugend des Klein­stadt­ver­eins Nogora, alle spielen heute noch Fuß­ball, aber nur Federico hat es bis in die Serie A geschafft. Auch dank seines mas­siven Kör­per­baus.

Stärker als Akin­fenwa?

Er geht seit acht Jahren ins Fit­ness­studio“, sagte sein Bruder Fran­cesco einer Lokal­zei­tung. ​Ab und zu raten wir ihm, ein Steak oder eine gute Pasta zu essen. Aber er nimmt nur Reis und Hühn­chen.“ Und tat­säch­lich sieht Baschi­rotto aus, als gehöre er eher aufs Cover der Men’s Health als auf den Fuß­ball­platz. Seine Freunde ver­glei­chen ihn mit einem Pro­fi­w­restler. Fans sind der Ansicht, er sei stärker als Ade­bayo Akin­fenwa. Dabei zeigen ihn Fotos auf seinem Insta­gram­kanal nicht nur, wie er seine Bauch­mus­keln zur Schau stellt, son­dern auch im Trikot der ita­lie­ni­schen Junio­ren­na­tio­nal­mann­schaft. Als Kapitän führte er die U17-Aus­wahl aufs Feld.

Lecce making a mockery of those who claimed they&#39;d get relegated pic.twitter.com\/3VOWGMvm3J<\/a><\/p>&mdash; Patrick Kendrick (@patrickendrick) February 4, 2023<\/a><\/blockquote>