Ende November beginnt die Weltmeisterschaft in Katar. Eine Woche später ist der erste Advent. Was noch immer klingt wie ein schlechter Scherz, rückt sichtlich näher. Zehn Monate bevor das Turnier beginnt, ist nun der Ticketverkauf angelaufen. Hierzulande ist dem Umstand wenig Beachtung geschenkt worden, laut Fifa ist die Nachfrage insgesamt aber groß.
In den ersten 24 Stunden nach Verkaufsstart seien 1,2 Millionen Ticketanfragen eingegangen, verkündet der Weltverband in einer Pressemitteilung. Aus dem Gastgeberland Katar kommt dabei die höchste Nachfrage. Gefolgt von Argentinien, Mexiko, den USA, den Arabischen Emiraten, England, Indien, Saudi-Arabien, Brasilien und Frankreich.
Für das Endspiel am 18. Dezember wollen bereits 140.000 Menschen eine Karte haben, für das Eröffnungsspiel 80.000.
533 Euro fürs Finale
Die Zuschauer können Tickets in vier verschiedenen Preiskategorien erstehen. Die Preisspanne geht dabei von 10 bis 1500 Euro für ein einzelnes Spiel. Dabei gilt die günstigste Preiskategorie nur für Kataris. Ungewöhnlich ist das nicht. Seit der WM 2010 in Südafrika bekommen Einheimische die Matchtickets zu vergünstigten Preisen.
Gerade in Katar, das nicht für seine Fußballkultur bekannt ist, sicherlich auch eine Maßnahme, um die Stadien voll zu bekommen.
Die anderen drei Kategorien sind auch für alle Nicht-Kataris zugänglich und nach Sitzplatzqualität und Komfort abgestuft. Für das Eröffnungsspiel beispielsweise kostet ein Ticket in der niedrigsten Kategorie 266 Euro, im Finale werden mindestens 533 Euro fällig. Die Anzahl der erschwinglichen Tickets sind von der Fifa drastisch reduziert worden.
Es gibt auch Ticket-Pakete, mit denen Fans ihrer Nationalmannschaften durchs Land hinterherreisen und so jedes Spiel verfolgen können. Ein Ticket-Bundle, das Zugang zu allen Spielen der deutschen Mannschaft erlaubt, liegt etwa bei 1400 Euro. Doch auch hier gibt es diverse Abstufungen. Will man zum Beispiel die katarischen Mannschaft durch das Turnier bis in ein mögliches Finalspiel begleiten, müssen Fans bis zu 4200 Euro zahlen.
Seit der Weltmeisterschaft 2006 sind die Ticketpreise bei WM-Turnieren deutlich angestiegen. Ein Finalticket kostete in Deutschland seinerzeit in der obersten Preiskategorie 600 Euro, zwölf Jahre später, bei der WM in Russland, waren es knapp 900 Euro, fast 50 Prozent mehr. In Katar sind es in dieser Kategorie fast 1500 Euro.
Sind 15.000 tote Gastarbeiter ein fairer Preis?
Trotz mitunter horrender Summen läuft der Verkauf gut an. Hierzulande ist der Ticketstart aber an einem Großteil der Menschen unbemerkt vorbeigezogen. Die flächendeckende Skepsis gegenüber Katar ist groß, das Interesse an dem Turnier (noch) klein. Ob das noch immer so sein wird, wenn das Turnier am 18. November angepfiffen wird, ist zu bezweifeln. In Massen werden deutsche Fans wohl trotzdem nicht in den Wüstenstaat fliegen. Die Jahreszeit, die Entfernung, die Kosten: alles mehr oder weniger größere Barrikaden.
Die Fifa macht sich für die teuerste und aufwendigste WM aller Zeiten bereit. Sind 15.000 Gastarbeiter, die laut Amnesty International seit der WM-Vergabe 2010 in Katar ums Leben gekommen sind, dafür ein fairer Preis?