Was ist neu?
Vor allem die Erwartungshaltung. Nachdem die Verantwortlichen im letzten Jahr noch von einem „Wunder” sprachen, als sie den Klassenerhalt zum Saisonziel ausriefen, ist der VfL Bochum zur kommenden Saison endlich mal nicht erster Abstiegskandidat. Gut, das liegt natürlich vor allem daran, dass mit Heidenheim und Darmstadt zwei Neulinge dazugestoßen sind, die wohl eher nicht zu den dicken Fischen im Bundesligateich zählen. Aber ohnehin hat der Pottklub nach dem zweiten Klassenerhalt in Serie deutlich mehr Kohle zur Verfügung (und das obwohl bei der letzten Zeche schon längst Schicht im Schacht ist, höhö). Will heißen: Endlich wird Cheftrainer Thomas Letsch ein Kader nach seinen Vorstellungen zur Verfügung gestellt. Der musste seine Elf letzte Saison oftmals mit Vierer- statt seiner bevorzugten Dreier- beziehungsweise Fünferkette auf den Rasen schicken – das dürfte sich in der kommenden Spielzeit immer mal wieder ändern.
Was macht Hoffnung?
Dass sämtliche Schreibtischsoldaten die rote Laterne in ihren Bundesliga-Prognosen nicht mehr mit Grußkarte versehen an die Castroper Straße schicken, dürfte dem durchschnittlichen VfL-Anhänger schon mal schmecken. Bis auf Keven Schlotterbeck, dessen Leihe im Sommer zu Ende ging, tut obendrein keiner der Abgänge sonderlich weh. Und dann ist da ja noch die “Letsch-Tabelle” ab dem achten Spieltag: Dort belegte der VfL einen beachtlichen zehnten Platz. „Let Letsch cook”, hat man in den vergangenen Monaten so manch einen Bochumer sagen hören – und der Esslinger Chefkoch hat dieses Jahr neue Zutaten aus der Feinkost-Abteilung vorrätig. Angriff-Allzweckwaffe Moritz-Broni Kwarteng kam aus Magdeburg, um der etwas eintönigen Offensive der Bochumer die nötige Würze zu verleihen, auch Ex-Sankt-Pauli-Stürmer Lukas Daschner hat eine vielversprechende Vorbereitung hinter sich. Vielleicht hat die Offensiv-Speisekarte also bald etwas mehr Optionen parat als den langen Hafer auf Stürmer Hofmann. Noch der Blick auf die andere Seite des Spielfelds: Nachdem Bochum in der abgelaufenen Saison mit 72 Gegentreffern die Schießbude der Liga war, dürfen sich zur kommenden Spielzeit vielleicht eher andere Vereine Chancen auf diese Rolle errechnen. Denn: Auch für die Abwehr gab es Verstärkung. Zum Beispiel mit Felix Passlack. Und als Hauptgang: Ein brasilianischer Innenverteidiger namens Bernardo Fernandes da Silva Jr. soll künftig das schöne Spiel in den Pott bringen. Na, wenn das dem Pulsschlag aus Stahl mal kein Defibrillator ist. Ach, und dann ist da ja noch Torwart Manuel Riemann, der den Bochumern schon den ein oder anderen Punkt festgehalten hat…
Was nicht?
… und auch wieder herschenkte. Das Wesen des 34-Jährigen pendelt sich erfahrungsgemäß irgendwo in der Grauzone zwischen Genie (Neuereske Sweeper-Keeper-Ausflüge an den Mittelkreis samt anschließender Torvorlage per Abwurf) und Wahnsinn (von Beginn an zum Scheitern verurteiltes Laufduell mit x‑beliebigem Flügelflitzer) ein. Ein wahrer Grenzgänger eben, der sicher auch diese Saison den ein oder anderen Herzinfarkt im Ruhrstadion verschulden wird.
Mit dieser Skandal-Schlagzeile berichtet die BILD in vier Wochen über den Verein:
„Eklat! Skandal-Torwart geht auf Passanten los” – Ah, sorry, falscher blau-weißer Verein, falsche Liga, falscher unzurechnungsfähiger Keeper. Liebe Grüße nach Berlin!
Das 11FREUNDE-Orakel:
Am ersten Spieltag klauen die Bochumer in einer mühsamen Partie einen Punkt aus Stuttgart, kriegen dann aber von Dortmund, Bayern, Frankfurt, Leipzig, Gladbach und, ja, sogar Augsburg die Grenzen aufgezeigt. Der VfL hält trotz mauer Punkteausbeute aus den ersten acht Spielen und einem bitteren 17. Platz zur Winterpause an Letsch fest. Der dankt es ihnen mit dem erneuten Klassenerhalt. Herbert hat wie immer Recht: „Viel besser als man glaubt!” Der VfL landet auf Platz 14.