Mindestens ein Viertel - Horst Szymaniak ist tot – 11FREUNDE

Geboren wurde »Schimmi«, wie man Szy­ma­niak nannte, 1934 in Erken­sch­wick. Seine Eltern waren Arbeiter und auch er begann, im Bergbau zu malo­chen. Viele Jahre später, als der Ruhm als Fuß­baller ver­blasst war, das ganze Geld ver­prasst, sollte ihm das den Lebens­abend retten. Seine ins­ge­samt acht Jahre unter Tage genügten für eine kleine Rente.

Vom Kumpel zum Fuß­ball­star

Das Fuß­ball­spielen erlernte Szy­ma­niak auf der Straße. Dort wurde er von seinem lang­jäh­rigen Trainer »Jule« Ludorf ent­deckt und spielte fortan für die SpVgg Erken­sch­wick als Außen­läufer. Er fiel wieder auf, wurde Ver­trags­spieler und bekam 185 D‑Mark zusätz­li­ches Gehalt. Seine Flanken, so weit sie auch flogen, sie kamen immer genau zu dem gewünschten Punkt. In der Ver­tei­di­gung glänzte er durch die »Schimmi-Grät­sche«, breit­beinig von der Seite kam er ange­flogen, Angreifer hatten keine Chance, den Ball zu behaupten. 

Die Arbeit im Bergbau war nichts für den Stra­ßen­bolzer, »Schimmi« wollte Fuß­baller werden. Und so wech­selte er für eine Ablö­se­summe von 15.000 Mark zum Wup­per­taler SV. Hier konnte er in der Ober­liga spielen und hatte als Bade­meister einen ange­neh­meren Job als die harte Arbeit unter Tage. Bun­des­trainer Sepp Her­berge berief den Arbei­ter­jungen in die Natio­nal­mann­schaft, 1958 fuhr er mit zu der WM in Schweden und wurde auf Anhieb in die Elf des Tur­niers gewählt. Mit ihm spielten Helmut Rahn, Uwe Seeler und Fritz Walter, in dessen Fuß­stapfen er treten sollte. Bei der Begrü­ßung durch den schwe­di­schen König ver­beugte sich »Schimmi« nicht, son­dern sah dem Mon­ar­chen direkt in die Augen. Getreu dem Berg­manns­spruch: »Kein Knie­fall, auch nicht vor gekrönten Häup­tern.«

»Ein Drittel? Nee, ich will min­des­tens ein Viertel!«

Dem Mann aus dem Ruhr­ge­biet wurde öfters nach­ge­sagt, dass er nicht der Hellste sei. Er soll einmal bei Ver­trags­ver­hand­lungen gesagt haben »Ein Drittel? Nee, ich will min­des­tens ein Viertel!« Dem wider­spricht hin­gegen, dass Szy­ma­niak einer der ersten deut­schen Spieler war, der sein Glück im Aus­land suchte. Eine Dele­ga­tion des ita­lie­ni­schen Ver­eins CC Catania soll 100.000 Mark auf dem Tisch der Familie aus­ge­breitet haben, um ihn nach Ita­lien zu locken. Von 1961 bis 1965 blieb er dort. Zunächst in Catania, später wech­selte er zu Inter Mai­land. Mit Inter gewann er als erster Deut­scher den Europa-Pokal. Und auch wenn er beim Finale nicht im Kader stand, zeigt dies doch, welch ein Aus­nah­me­spieler Szy­ma­niak war. Nach einer zeit­wei­ligen Rück­kehr nach Deutsch­land spielte er noch in der Schweiz, um dann in Ame­rika seine Kar­riere aus­klingen zu lassen. 

Uneh­ren­haft ent­lassen

Für die Natio­nal­mann­schaft trat Szy­ma­niak auch bei der WM 1962 an, im Vier­tel­fi­nale unter­lagen sie aller­dings den Jugo­slawen mit 0:1. Einige Jahre später wurde »Schimmi« aus der Natio­nal­mann­schaft aus­ge­schlossen. Nach einem Spiel der B‑Elf zog er mit einigen anderen Spie­lern aus dem Ruhr­ge­biet durch die Kneipen. Als sie um fünf Uhr mor­gens in Quar­tier zurück­kamen, wurde Syma­niak vom neuen Bun­des­trainer Helmut Schön erwischt und raus­ge­schmissen. Es inter­es­sierte nicht, dass auch andere Spieler dabei waren und auch nicht, dass die Initia­tive von Helmut Haller, und nicht von Horst Szy­ma­niak aus­ge­gangen war. Syma­niak wurde zur Person non grata. Jubi­läen oder ähn­liche Feiern vom DFB fanden in Zukunft ohne ihn statt. 

Nach dem Fuß­ball zog sich »Schimmi« zurück. Er wollte ein ruhiges Leben leben und arbei­tete unter anderem wieder als Bade­meister. Am Freitag ist der Mann, den sie einst den Nach­folger von Fritz Walter nannten, in einem Pfle­ge­heim in Nie­der­sachsen ver­storben. »Ich habe tolle Jahre gehabt« hat er einmal gesagt. Ruhe in Frieden, »Schimmi«.

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