Mislintats Missetat – 11FREUNDE

Diese eine, diese sen­sa­tio­nelle Saison von Ajax Ams­terdam liegt bereits einige Jahre zurück. 2018/19 war das, da warf Ajax unter der Lei­tung von Erik ten Hag Real Madrid und Juventus Turin aus der Cham­pions League. Im Halb­fi­nale gegen Tot­tenham war zwar Schluss, jedoch krönte sich der Klub in der Liga nach einer fünf­jäh­rigen Durst­strecke wieder zum Meister der Ere­di­visie. Und wie das bei Ajax so ist, folgte in der Folge der große Ader­lass: Etliche Leis­tungs­träger gingen, und die ver­meint­li­chen neuen konnten den Qua­li­täts­ver­lust nie wirk­lich auf­fangen. So lief es auch ver­gan­gene Saison sport­lich nicht sehr rosig — Ajax been­dete die Liga nur auf Rang drei und ver­passte damit die Teil­nahme an der Cham­pions League. Folg­lich wollte der Klub neu angreifen und ver­pflich­tete dazu Mau­rice Steijn als neuen Trainer und den ehe­ma­ligen VfB-Archi­tekten Sven Mislintat als neuen Sport­di­rektor. Doch statt inmitten eines sport­li­chen Wie­der­auf­stiegs findet sich Ajax nun plötz­lich im Zen­trum einer kom­plexen und brenz­ligen Dis­kus­sion über Inter­es­sens­kon­flikte und Com­pli­ance-Ver­stöße wieder.

Was war pas­siert? Mislintat soll im Sommer im Allein­gang neue Spieler ver­pflichtet haben, ohne diese Trans­fers vorher mit Coach Steijn abzu­spre­chen. Steijn distan­zierte sich dar­aufhin von Mislin­tats Trans­fer­po­litik. ​Wir haben Namen vor­ge­schlagen, aber Sven hat sich anders ent­schieden“, sagte Steijn auf einer Pres­se­kon­fe­renz nach dem Spiel Anfang Sep­tember bei For­tuna Sit­tard. Steijn habe zudem diverse Neu­zu­gänge vor­ge­schlagen, die alle von Mislintat abge­lehnt worden sein sollen.

Kon­flikt um Sosa-Transfer

Einer der Neu­ver­pflich­tungen von Mislintat ist Borna Sosa. Am Dead­line Day gab Ajax bekannt, den Links­ver­tei­diger vom VfB Stutt­gart zu ver­pflichten. Kos­ten­punkt: Zehn Mil­lionen Euro. Nun aber stellt sich die Frage, ob Mislintat womög­lich am Sosa-Transfer mit­ver­dient haben könnte. Denn laut NOS, der öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stalt der Nie­der­lande, hat Mislintat den Transfer von Sosa trotz eines Inter­es­sen­kon­flikts durch­ge­zogen. Mislintat ist näm­lich Mit­gründer und Anteils­eigner beim Fuß­ball­daten-Ana­lyse-Unter­nehmen Matchme­trics GmbH. Seit Ende Juni ist auch die Firma AKA Global GmbH mit 3,16 Pro­zent betei­ligt. Das Pro­blem: Bei AKA han­delt es sich um eine Spie­ler­be­ra­tungs­agentur, bei der unter anderem der frü­here VfB-Spieler Borna Sosa unter Ver­trag ist. Sosa wech­selte dem Tele­graaf zufolge erst kurz vor seinem Wechsel zu Ajax zu AKA.

Der Klub gibt an, nichts von dieser Bezie­hung gewusst zu haben. ​Ajax war nicht bekannt, dass die AKA Global GmbH an Matchme­trics betei­ligt ist“, teilte der Verein in einer Stel­lung­nahme gegen­über NOS mit. Der Auf­sichtsrat von Ajax lei­tete nun eine Unter­su­chung gegen Mislintat ein. ​Ajax prüft die Sache weiter und wird dabei von externen Bera­tern unter­stützt“, heißt es. Laut NOS steht Mislin­tats Ver­halten im Wider­spruch zur Cor­po­rate-Gover­nance-Erklä­rung des Klubs. Die besagt näm­lich, dass der Sport­di­rektor von Ajax keine Ent­schei­dungen zu Themen treffen darf, bei denen ein Inter­es­sen­kon­flikt vor­liegen könnte. Jeder mög­liche Inter­es­sen­kon­flikt muss dem Auf­sichtsrat zur Geneh­mi­gung vor­ge­legt werden. Doch genau das sei beim Transfer von Borna Sosa nie pas­siert.

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Ajax hat einen Image­schaden erlitten“

Fabian Nagtzaam – Leiter der unabhängigen Fanvereinigung von Ajax

Der Fan­ver­band von Ajax for­derte in einer Mit­tei­lung nun schnelles Han­deln vom Klub, da Ajax ​einen Image­schaden erlitten“ habe. ​Das sollte nicht lange so stehen gelassen werden“, sagte Fabian Nagt­zaam, Leiter der unab­hän­gigen Fan­ver­ei­ni­gung dem Tele­graaf. ​Wir sollten erwarten, dass an der Spitze von Ajax fähige Leute arbeiten, die sich unab­hängig für den Verein enga­gieren“, so Nagt­zaam weiter.

Zudem führten Mislin­tats Trans­fers bis­lang nicht zum erwar­teten sport­li­chen Erfolg. Nach seiner Beru­fung im April lei­tete der 50-Jäh­rige einen groß­flä­chigen Kader­um­bruch ein. Er ver­kaufte im Sommer satte 18 Spieler, dar­unter die meisten Leis­tungs­träger von Ajax. Im Gegenzug ver­pflich­tete er 15 neue Spieler. Ajax ver­geigte den Sai­son­start jedoch mächtig und holte in den ersten vier Liga­spielen ledig­lich fünf Punkte. In der Tabelle heißt das: Platz zwölf und ein Rück­stand von sieben Zäh­lern auf die Tabel­len­spitze, an der das Trio um PSV Eind­hoven, AZ Alk­maar und Twente Enschede thront. Damit erlebt das stolze Ajax den schlech­testen Sai­son­start seit 1965.

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