„Sag doch Arschloch!“ - Wie kann man Fan von Göttingen 05… – 11FREUNDE

Die größt­mög­liche Demü­ti­gung in der eigenen Stadt? Wenn Fans von Göt­tingen 05 in ihrer schwarz-gelben Kluft durch die Straßen laufen, werden sie oft genug ange­spro­chen: ​Ach, wie geht’s denn so beim BVB?“ Danke der Nach­frage, und eigent­lich ist keine Gewalt ja auch keine Lösung. Aber viel­leicht ist das auch alles kein Wunder, wenn die großen Erfolge so lange zurück­liegen, ach: wenn sie im Grunde nie wirk­lich da waren, im glo­balen Maß­stab gesehen.

Foo­li­gans“ – Ziel: rechte Hools ver­ar­schen

Immerhin: Vier Jahre lang hat der 1. SC Göt­tingen 05 in der zweiten Bun­des­liga gespielt, damals in den seligen Sieb­zi­gern. Leider ist Philipp Rösener da noch nicht ins Sta­dion gegangen. Dabei gehört er mit seinen 47 Jahren zu den älteren Herr­schaften in der Göt­tinger Fan­szene. Erst­mals rein­ge­schnup­pert hat er in den frühen Neun­zi­gern, und wie vieles in seinem Leben hatte das etwas mit Politik zu tun. Es war die Hoch­zeit der rechts­extremen FAP, die das Göt­tinger Jahn-Sta­dion zur Nach­wuchs­re­kru­tie­rung miss­brauchte, was eine spaß­gue­ril­la­ähn­liche Gegen­be­we­gung namens ​Foo­li­gans“ zur Folge hatte, Ziel: mas­sive Ver­ar­schung der rechten Hool-Gruppen. So haben sie die dumpfen Stier­na­cken nach und nach aus dem Sta­dion bekommen.

Göt­tin­gens Fan­szene gilt seither als explizit links, und Rösener – Redskin, täto­wiert, Ska-Freund, Bür­ger­funker – ist heute einer ihrer mar­kan­testen Köpfe. ​Die Mög­lich­keit, selbst etwas zu gestalten, ist bei so einem Klub natür­lich größer als bei irgend­einem Bun­des­li­gisten“, sagt er. Der ​Fan­raum“, jugend­zen­trums­ähn­li­cher Treff­punkt der 05-Anhänger, ist am Sams­tag­abend solide gefüllt. Die Fan­szene besteht zum einen aus Leuten wie Rösener, die alles mit­ge­macht haben: Krisen, Insol­venz, Löschung aus dem Ver­eins­re­gister, Neu­grün­dung, Fusion, zarter Auf­bruch. Und dem Nach­wuchs, Ultra-Style, der erst seit ein paar Jahren dabei ist. ​Alte Säcke und junges Gemüse“, sagt Rösener. Die einen könnten die Väter der anderen sein, und in einem Fall ist das auch so. Gibt es einen Gene­ra­tio­nen­kon­flikt? ​Eigent­lich nicht, weil wir eine starke poli­ti­sche Basis haben.“

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