Und? Wie geht's? - Begegnung mit Klaus Allofs – 11FREUNDE

Ein fens­ter­loser Raum, von draußen schleicht sich der Herbst an, es gibt Kaffee aus der Kanne, das Neon­licht fla­ckert. Und nie­mand sagt etwas.

Was wie das erste Treffen des Schüt­zen­ver­eins Asen­dorf nach dem plötz­li­chen Ableben seines lang­jäh­rigen Vor­sit­zenden klingt, ist in Wahr­heit die Pres­se­kon­fe­renz des SV Werder Bremen vor dem Heim­spiel gegen den FC Bayern. Es ist so still, dass selbst die Digi­taluhr an der Wand vor Ergrif­fen­heit zu ticken anfängt. 

Auf dem Podium sitzen Trainer Thomas Schaaf und Manager Klaus Allofs. Sie sagen nichts, weil sie nicht dazu auf­ge­for­dert wurden. Die Jour­na­listen starren in ihre Blöcke, doch nie­mand findet darin eine Ein­stiegs­frage. ​Und? Wie geht’s?“, könnte man sich erkun­digen. Aber ers­tens wäre das nicht recht pro­fes­sio­nell und zwei­tens beim SV Werder dieser Tage nur schwer zu beant­worten. Über den Ver­ant­wort­li­chen flim­mert der ARD-Video­text, Tafel 253, die Tabelle der Bun­des­liga. Der Verein ist Siebter, zwei Siege, ein Unent­schieden, zwei Nie­der­lagen. Es geht so.

Thomas Schaafs Art, nichts zu sagen, macht die Stille noch stiller. Klaus Allofs schmun­zelt immerhin mit einer sagen­haften Geduld auf die Jour­na­listen herab. Da end­lich ringt sich ein Kol­lege durch: ​Herr Schaaf, wie wollen Sie morgen die Bayern schlagen?“

Schaaf bewegt sich in seinem Trai­nings­anzug wie ein im Frost bers­tender Find­ling. Allofs scherzt: ​Mit der Ant­wort warten wir jetzt mal so lange wie Sie mit Ihren Fragen!“ Wieder herrscht Stille, dann sagt der Find­ling: ​Fragen Sie mich noch mal, wenn das Spiel vorbei ist.“ 

Doch die Frage wird über­flüssig sein. 0:2 ver­liert Werder am nächsten Tag gegen die Bayern. Der Ein­satz stimmt, das Ergebnis nicht. Werder zeigt sich als junge, fri­sche Truppe, die sich end­lich wieder rein­haut. Das ist mehr als nichts, auch wenn am Ende die­selbe Null steht wie so oft in der letzten Saison.

Umso mehr möchte man wirk­lich wissen: Wie geht es einem Verein, der bis vor nicht allzu langer Zeit oben mit­spielte, dem man jetzt aber schon auf die Schulter klopft, wenn er nicht 0:8 gegen den Rekord­meister unter­geht? Der einen radi­kalen Kader­um­bruch hinter sich hat? Eine Som­mer­pause, in der die Hoff­nungen der Fans plötz­lich wieder ins Kraut geschossen sind? Und nicht zuletzt einen veri­ta­blen Shit­s­torm, nachdem der Spon­so­ren­deal mit Wie­senhof bekannt wurde?

Für das Inter­view mit 11FREUNDE (jetzt im Handel!) nimmt Klaus Allofs sich im Anschluss an die Pres­se­kon­fe­renz zwei Stunden Zeit, um all das zu beant­worten. Er erzählt von seinem wie­der­erwachten Jagd­in­stinkt als Manager, seinen Besu­chen im Wie­senhof-Hüh­ner­stall, Marko Arn­au­to­vics umstrit­tener Frisur, vom Rol­len­spiel seines Rivalen Uli Hoeneß und von einem legen­dären Abend mit Thomas Schaaf auf dem Bremer Frei­markt. ​Im Break­dancer“, so Allofs, ​bin ich Stamm­gast.“

Mit diesem Faible für Dinge, die sich schwin­del­erre­gend drehen, dürfte er gewappnet sein für die erste Saison nach dem großen Umbruch. Inzwi­schen hat Werder 1:3 in Augs­burg ver­loren, aber auch 4:0 zu Hause gegen Glad­bach gewonnen. Immerhin – genug Stoff für die kom­menden Pres­se­kon­fe­renzen. Und sei es, dass man ein­fach mal fragt: ​Und? Wie geht’s?“ 

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