Das erste Pokalspiel der Saison war für den VfL Wolfsburg möglicherweise schon das letzte. Und das trotz des 3:1‑Siegs nach Verlängerung beim Regionalligisten Preußen Münster. Der Grund: Wolfsburg-Trainer Mark van Bommel wechselte sechs- statt der erlaubten fünfmal. Preußen Münster hat Protest eingelegt, nun entscheidet das Sportgericht. Noch ist unklar, ob das Spiel wiederholt wird, ob es für Münster gewertet wird oder ob letztendlich nichts passiert. Van Bommels Fauxpas war jedoch nicht das erste Mal, dass ein Trainer sich verwechselte. Eine Liste kurioser Wechselfälle.
Zu viele Wechsel
Von rechts: Trainer Udo Lattek, Manager Robert Schwan, Mannschaftsarzt Dr. Erich Spannbauer und Gerd Müller
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Den wohl ersten Wechselfehler der Bundesligageschichte beging Udo Lattek: Am letzten Spieltag der Saison 1971 wechselte der Trainer des FC Bayern in der 80. Minute einen dritten Spieler ein. Das Problem: Damals waren nur zwei Wechsel erlaubt. Lattek hatte jedoch vergessen, dass er in der 70. Minute bereits Torwart Sepp Maier verletzungsbedingt ausgewechselt hatte. Er brachte also mit Günther Rybarczyk einen dritten Spieler. Der hatte mit nur sechs Einsätzen bis dahin beim FC Bayern eher eine kleine Rolle gespielt. Und auch um seinen siebten Einsatz wurde Rybarczyk gebracht. Als Lattek auf seinen Fehler – Berichten zufolge von den Fans und nicht vom Schiedsrichter – aufmerksam gemacht wurde, holte er den Spieler wieder vom Platz. Offiziell stand er an diesem Tag nicht mal auf dem Platz. Bayern München verlor 0:2 gegen den MSV Duisburg. Die Duisburger legten keinen Protest ein.
Klaus Augenthaler unterlief ein ähnlicher Fehler – ebenfalls beim FC Bayern. Eigentlich war Franz Beckenbauer Interimscoach, im Juni 1996 drückte jedoch Augenthaler beim letzten Spiel der Saison gegen Fortuna Düsseldorf die Bank. Es war ein wildes Jahr für die Bayern gewesen, die Meisterschaft war gelaufen, „nur“ der UEFA-Pokal gewonnen und Augenthaler sollte Praxiserfahrung als Trainer sammeln. Das tat er auch und wechselte zur zweiten Halbzeit kräftig. Die Bayern lagen bereits mit 0:2 zurück. Augenthaler brachte drei Feldspieler, erfuhr dann, dass Oliver Kahn verletzt war und wechselte den Ersatzkeeper Achim Probst zusätzlich ein. Eine einfache Rechnung, die Augenthaler in der Aufregung nicht zu Ende dachte: 3 + 1 = 4. Ein Wechsel zu viel. Düsseldorf und Bayern trennten sich dank Jürgen Klinsmanns Doppelpack in der zweiten Halbzeit 2:2, das Spiel war bedeutungslos und Fortuna verzichtete auf den Protest.
Zu viele Spieler ohne deutschen Pass
Christoph Daum hat sich verrechnet.
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Der wohl häufigste Wechselfehler in der Bundesligageschichte, der heute so gar nicht mehr begangen werden könnte: zu viele Spieler ohne deutsche Staatsangehörigkeit auf dem Platz.
In den Anfangsjahren der Bundesliga durften nur zwei Spieler ohne deutschen Pass eingesetzt werden, seit 1992 drei. Seit 2006/07 ist die Regelung, dass nur eine begrenzte Anzahl von ausländischen Spielern auf dem Platz stehen darf, komplett aufgehoben. 1995 wurde sie bereits für Spieler aus dem EU-Ausland aus arbeitsrechtlichen Gründen abgeschafft.
In der Zwischenzeit gab es genug Momente für Wechselfehler, darunter auch von einigen bekannte Trainernamen. 1977 wechselte Hennes Weisweiler für den 1. FC Köln den Belgier Roger van Gool und damit einen einen dritten Spieler ohne deutschen Pass ein. 1992 spielte der VfB Stuttgart in der Champions League gegen Leeds United. Die Stuttgarter gewannen das Hinspiel 3:0, verloren das Rückspiel aber mit 1:4. Durch das Auswärtstor durften sie jedoch in die nächste Runde. Zumindest dachte die Truppe um Christoph Daum das zunächst. Es gab nur ein Problem: Der Trainer hatte mit Jovica Simanic im Rückspiel einen vierten ausländischen Spieler eingewechselt. Das Spiel wurde am grünen Tisch mit 3:0 für Leeds gewertet, das Entscheidungsspiel in Barcelona gewannen die Engländer mit 2:1. 1993 unterlief Horst Heise bei Eintracht Frankfurt der gleiche Wechselfehler, genauso wie 1995 Winnie Schäfer beim Karlsruher SC und 1998 zu guter Letzt Otto Rehhagel beim 1. FC Kaiserslautern. Wohl gut für alle gegenwärtigen Trainer, dass zumindest diese Regel nicht mehr existiert.
Zu viele Amateure
Giovanni Trapattoni mit Auswechselspielern hinter der Bande.
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In ein drittes Fettnäpfchen trat Giovanni Trapattoni. 1995 wechselte der damalige Bayern-Trainer mit Dietmar Hamann im Spiel gegen Eintracht Frankfurt einen vierten Amateur ein. Dies war jedoch nur mit Sondergenehmigung erlaubt und im Gegensatz zur Vorwoche war die nicht eingeholt worden. Berichten zufolge sah Pressechef Markus Hörwick das Unglück kommen, bis er von der Tribüne an der Trainerbank angelangt war, hatte Trapattoni allerdings schon gewechselt und damit wurde aus dem 5:2‑Sieg ein 0:2 am grünen Tisch.
Einwechslung trotz roter Karte
Nachdenklich: Erik Gerets. Aber offenbar nicht nachdenklich genug, zumindest nicht hinsichtlich eines folgenschweren Wechsels.
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Mark van Bommel ist übrigens nicht der erste Wolfsburger Trainer, der durch einen Wechsel den Einzug in die nächste Pokalrunde gefährden könnte. Schon 2004 wechselte Erik Gerets Marian Hristov ein, der in Folge einer Roten Karte jedoch noch nicht wieder spielberechtigt war. Die Wölfe hatten 3:0 gegen die Amateure vom 1. FC Köln gewonnen. Im Nachhinein wurde ihnen der Sieg jedoch aberkannt und der 1. FC Köln durfte eine Runde weiter. Der Geschäftsführer der Wölfe, Peter Pander, trat zurück.
Fun Fact
In den ersten vier Jahren durfte in der Bundesliga gar nicht gewechselt werden, weder aus taktischen Gründen noch, wenn sich ein Spieler verletzt hatte. Ab 1967 durfte einmal gewechselt werden, ein Jahr später bereits zweimal und fast dreißig Jahre später wurde die Regel auf dreimal hochgesetzt. Seit 2016/17 darf im DFB-Pokal im Falle einer Verlängerung ein viertes Mal gewechselt werden. Als Folge der Corona-Pandemie darf seit 2020 fünfmal gewechselt werden. Einen zusätzlichen Wechsel in der Verlängerung gibt es aber nicht mehr. Drei, vier, fünf: Vielleicht also kein Wunder, dass Mark van Bommel durcheinander gekommen ist.